Laith Al-Deen spricht über seinen Köln-Gig am Tanzbrunnen und die Zukunft

Was hältst du von Köln und speziell vom Tanzbrunnen, wo du am 16. August auftreten wirst?

Daumen nach oben! Der größte Teil meines Live-Albums ist in Köln im E-Werk aufgenommen worden. Nicht nur deswegen, weil in Köln die Stimmung extrem gewesen ist. Irgendwie funktioniert das mit den Kölnern und uns immer auf eine schöne Art und Weise. Im Tanzbrunnen habe ich schon das eine oder andere Mal spielen dürfen, und wenn das Wetter passt, ist das wirklich eine wunderschöne Location. Ich hoffe, dass es den üblichen Funken gibt, dann wird es ein schöner Abend.

Was dürfen die Konzertgäste erwarten?

Die Tour ist zwar eine Weile her, war aber nicht gerade die ausgedehnteste. Meine Band und ich sind jetzt noch in den letzten Zügen das aktuelle Album mitzunehmen, spielen aber auch ältere Stücke. Wir haben sozusagen unsere persönliche Live-Best-of zusammengeschraubt. Wir haben an ein paar Songs „rummodeliert“, z.B. durch den Einsatz unserer beiden Bläser, die auch immer dabei sind. Das kam im letzten Sommer ganz gut an. Spezielle Gäste sind bisher nicht geplant, außer es ergibt sich zufällig noch etwas.

Hast du privat ein Faible für elektronische Musik, denn dein Produzententeam, das sich zugegebenermaßen in den letzten Jahren etwas anderer Musik zugewandt hat, kommt ja aus dem elektronischen Musikbereich?

Ich kann was mit elektronischer Musik anfangen. Da gibt’s so ganz spezielle Sachen, auf die ich stehe, wie Drum ’n’ Bass, Ambient oder EBM. Wir haben eigentlich in den letzten acht Jahren ganz gut was zusammenschmeißen können, was den Musikgeschmack anbelangt. Aber wir arbeiten jetzt offiziell nicht mehr zusammen. Nach fünf Alben ist diese Partnerschaft quasi mal ausgelaufen.

Du hast früher von einer Karriere als Metal-Gitarrist geträumt. Ist das immer noch so?

Ich habe früher Metal gemacht, und letztendlich gibt’s privat noch Geschichten, wo ich die Chance habe, noch ein bisschen Metal zu machen. Allerdings würde ich mittlerweile eher Hard-Rock als Metal dazu sagen, denn Metal brauche ich jetzt auch nicht mehr unbedingt. Ich nehme privat mit Freunden Stück für Stück eine Platte auf, aber ob die jemals erscheinen wird, steht noch sehr in Frage.

Du hast auf dem – wie ich finde – fantastischen Debütalbum von Virginia Nascimento im Chor und an der Gitarre mitgewirkt. Wie kam das zustande?

Steve B-Zet, der das produziert hat, ist auch der Produzent von „Bilder von dir“ und einer dieses Triumvirats, mit dem ich jetzt auch zusammengearbeitet habe. Ich war öfters mal parallel mit ihr im Studio, und ich dachte mir, eigentlich ist das eine gute Idee, und somit habe ich mich da einbringen können. Das fand ich sehr spaßig, weil Virginia wirklich sehr nett ist und ich ihr da auch die Daumen drücke. Mir persönlich gefällt das Album auch sehr gut.

Wie geht es mit der Arbeit an deinem sechsten Studioalbum voran und wann kann man mit der Veröffentlichung rechnen?

Es besteht im Moment die Möglichkeit, dass wir noch eine CD – ich nenne sie jetzt mal in Anführungsstrichen „Abschluss der Zeit mit meinen Schallbau-Produzenten“ – dazwischen reinschieben, die so für Ende des Jahres oder Anfang des kommenden Jahres angedacht wäre. Ein neues Album ist geplant für Mitte 2009. Ich werde mir neue Produzenten suchen und mache dann hier und da mal einen Titel. Das geht dann von unbekannten bis zu bekannteren Namen, um zu schauen, hat man eine Grundlage, um zusammenzuarbeiten. Aber ich werde musikalisch eine andere Richtung einschlagen und bin darauf selbst schon sehr gespannt.

Wie kann man sich das Album mit den Schallbau-Jungs vorstellen?

Ja, ich benutze gern den Ausdruck „Das Beste aus acht Jahren“ oder so etwas Ähnliches. Da werden, wenn es überhaupt stattfindet, auch ein paar neue Titel drauf sein und es wird einfach eine Art Abschluss mit der Schallbau-Zeit sein. Aber, ob das wirklich stattfinden wird, ist, wie gesagt jetzt noch nicht so ganz klar. Deswegen konzentriere ich mich lieber auf das neue Studioalbum.

Was dürfen wir denn vom neuen Album erwarten? Zum Beispiel mal was Politisches, denn als Halbiraker hast du vielleicht auch was zur derzeitigen politischen Lage im Irak zu sagen. Oder ist das ein Thema, das du eher nicht anpacken würdest?

Ich glaube, das ist immer die Frage, wie man es anpackt. Ich habe überhaupt kein Problem damit, habe es in der Vergangenheit auch getan. Das waren aber Songs, die nicht als Single erschienen sind, weltpolitische Themen genauso wie nationale. Aber nie mit komplett erhobener Fahne. Es kann gut sein, dass das stattfindet, aber ich glaube ganz ehrlich, dass ich in weltpolitischen Themen zu wenig drinstecke, und ich kenne genug Leute, die auch die Finger davon lassen sollten. Es allgemein zu halten, ist eine schöne Sache, und man kann Pop mit wesentlich mehr Kante machen, als es bisher passiert ist, und das habe ich definitiv vor.

Hat das Thema „Liebe“ wieder einen entscheidenden Einfluss auf das kommende Album wie beim Vorgänger „Liebe zum Detail“?

Natürlich! Ich habe mich jetzt gerade wieder durch das Beatles-Songbuch durchgelesen, und es ist sehr interessant. Eine der schönsten Sachen, wie ich finde, ist die Herangehensweise an Zwischenmenschlichkeit. Ich finde, beispielsweise Lenny Kravitz redet  meistens über nichts anderes, und das finde ich schön, denn es geht darum, untereinander klarzukommen. Schönes Album übrigens! Das wird bei mir auch wieder passieren.

Sind auch wieder Band-Sessions im Studio geplant, deren Ergebnisse dann wieder den Weg aufs Album finden?

Wenn es sich anbietet, mit der Band was zu machen, auf jeden Fall. Ich werde versuchen, das ganze Ding dann wieder etwas anders aufzuziehen. Vielleicht mit einem Zusatzmusiker, der dann noch etwas ganz anderes spielt. Ich überlege jetzt schon, wie wir das Ganze ein bisschen abwechslungsreicher machen.

Machst du vielleicht auch noch mal was mit BAP zusammen, denn 2005 hast du was mit den Jungs für ihr Jubiläumsalbum „Dreimal zehn Jahre“ gemacht?

Ich hoffe schwer, dass ich Herrn Niedecken dazu bringe, noch mal ein Nümmerchen mit mir aufzunehmen. Wir hatten das mal ganz sporadisch umrissen. Letztlich müssen wir uns um einen konkreten Zeitpunkt kümmern. Wenn was dabei rauskommt, würde ich das gerne machen, klar!

Du hast ja sicherlich das Desaster der No Angels beim diesjährigen „Eurovision Song Contest“ mitbekommen, und das war ja nur die Spitze des Eisbergs der letzten Jahre. Bist du denn im Nachhinein vielleicht sogar froh, dass du 2004 den deutschen Vorentscheid nicht gewonnen hast, oder hast du noch Ambitionen, irgendwann mal Deutschland beim „Eurovision Song Contest“ zu vertreten?

Im Nachhinein war mein Song „Höher“ definitiv nicht der richtige. Und letztendlich würde ich aus einer halb arroganten Position heraus behaupten, die No Angels hätten den Live-Job besser hinbekommen können. Ich hab’ die Mädels auch schon besser gesehen, und der Song war auch nicht der Bringer. Die ganze Sache muss schon sehr stimmig sein, und wenn die Veranstaltung noch mehr in den Balkan rutscht, dann haben wir sowieso keine Chance mehr. Ich denke, man muss sich da ein Stück weit anpassen, und das ist, glaube ich, eher was für Leute, die da einen besseren Draht zu haben. Der Job wäre auch für mich eher nichts.

Gibt es einen musikalischen Traum, der dir immer noch im Hirn rumspukt?

Mal ein englischsprachiges Album zu machen, also auch mit englischen Produzenten, fände ich ganz interessant. Da strecke ich auch im Moment so ein bisschen die Fühler Richtung London aus, und man stellt fest, dass die Leute definitiv anders ticken und teilweise eine ganz andere Herangehensweise haben. Das würde mich sehr interessieren, weil ich seit zehn Jahren immer hier arbeite.      

Denny Seeber

Laith Al-Deen: Best of, Columbia, VÖ: 15.10.