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Wolfgang Niedecken feiert im März den sechzigsten Geburtstag, und es ist sowohl eine Autobiografie als auch ein neues BAP-Album erschienen. Und weil 2011 die Band BAP zudem 35-jähriges Bestehen feiert, steht im Mai ein „BAPFest" an. Gründe genug für ein Gespräch mit Niedecken und BAP-Gitarrist Helmut Krumminga.

Welche Phasen haben dir bei der Arbeit an deiner Autobiografie am meisten Spaß gemacht?

Niedecken: Ich kann die Frage andersherum beantworten! Ein wichtiges Ausschlusskriterium war: Wenn es anfing, mir langweilig zu werden, haben wir uns entweder kurz gefasst oder es weggelassen! Du kriegst keine 60 Jahre zwischen zwei Buchdeckel in kompletter Form. Dieses Buch durfte nicht als Rechtfertigungsmaßnahme missbraucht werden, und falls einer sagt: „Oh, an der Stelle hat er aber gekniffen!", dann soll er das halt meinen. Wenn etwas fehlt, war es mir nur zu langweilig.

Du erzählst nicht chronologisch, sondern beginnst mit deiner Zeit als bildender Künstler in New York. Wolltest du zeigen: Da bin ich genauso zu Hause?

Niedecken: Es war eigentlich eher die Möglichkeit, die die größte Überraschung bringt. Oliver Kobold, mein Co-Autor hatte die Idee. Es mag auch Leute geben, denen das zu überraschend ist und die sagen: Bin ich im falschen Film oder was?! Die müssen allerdings nur drei, vier Seiten lesen, dann sind sie drin.

Helmut, hast du neue Seiten an Wolfgang entdeckt, als er an seiner Autobiografie gearbeitet hat?

Krumminga: Ja, vielleicht hat er noch ein bisschen mehr reflektiert und war auch noch ein bisschen verinnerlichter als bei anderen Produktionen - aber in einem guten Sinne!

Als du neu in der Band warst, hast du laut Wolfgangs Autobiografie eine bestimmte Komposition auf jede Demokassette gespielt, die du Wolfgang gegeben hast, bis dieser die Gegenwehr aufgab.

Krumminga: Ja, das stimmt. Damals war er der Meinung, dass ein Reggae zu gewollt sein könnte, und hatte Probleme damit, das überhaupt zu versuchen. Und darum war auf jedem Demo-Tape, das ich ihm gegeben habe, dieses Lied immer wieder als letztes Stück drauf. Und irgendwann wurde ihm klar: Statt „Leaving You" kann ich ja „Aff un Zo" singen - und schon hatte er für das Album, dessen Name schon stand, den Titeltrack!

Das neue Album „Halv su wild" ist stilistisch sehr vielseitig, unter anderem ist ein Reggae drauf. Musste der auch untergejubelt werden?

Krumminga: Der Song kommt diesmal von unserem Keyboarder Michael Nass, und der hat ihn auch massiv untergejubelt ...
Niedecken: ... und ich bitte auch immer um die Wiedervorlage solcher Songs, die ich noch nicht betextet habe! Beim Reggae haben wir übrigens eine Historie, das ist Ehrensache bei uns: Wir wissen, dass unsere Reggaes immer super ankommen, deswegen müssen wir uns unglaublich anstrengen, um etwas sehr Gutes daraus zu machen. Geh' mal zurück in die BAP-Steinzeit: „Müsli Män" war eine lustige Idee. Es war kein gut gespielter Reggae und doch ein Riesen-Hit. „Maat et joot" von meinem ersten Solo-Album war ein Riesen-Hit und „Time is Cash, Time is Money" auch. Nur: Wirklichen Reggae spielen können wir erst seit der neuen Besetzung. Was meinst du, wie sich ein karibischer Mensch wegwirft bei einem schlecht gespielten Reggae!

In einem der schönsten Lieder, „Noh all dänne Johre", singst du von der „Unruh in der Seele und das Gefühl, wie auf der Durchreise irgendwo zwischen Start und Ziel" zu sein. Muss man die haben als Künstler?

Niedecken: Diese Unruhe ist der Motor, der dich in Bewegung hält. Ich muss aber auch sagen, dass ich noch nie so das Gefühl hatte, angekommen zu sein wie mit dem Album. Das hängt mit meinen sechs Jahrzehnten zusammen, dieser intensiven Arbeit an der Autobiografie, während der immer etwas übergesprungen ist - hin und her, auch in den Texten. Das Gefühl, angekommen zu sein, wird sich aber sehr schnell wieder legen. Und das ist gut so.

Ende Mai findet zum 35. Band- und 60. Niedecken-Jubiläum ein zweitätiges „BAPFest" vor dem Dom statt. Am ersten Tag spielt ihr beiden mit der WDR Big Band, am zweiten Tag mit BAP. Wie kam es dazu?

Niedecken: Ich war gerade dabei, mit der WDR Big Band - übrigens der weltweit prämiertesten Big Band überhaupt - meine „Deutschlandlieder" zu arrangieren und zu proben. Das sind Lieder, die mit Deutschland zu tun haben und die ich in den letzten 30 Jahren geschrieben habe. Und zu der Zeit kam die Frage auf: Wie wird die nächste BAP-Tour? Machen wir's wie immer, fangen mit einer Hallentour an und spielen im Sommer darauf die Festivals? Nein, haben wir gesagt, diesmal machen wir es genau andersherum! Wir fangen direkt mit dem Brett an und spielen vor dem Dom! Und dort ein BAP-Konzert und eine Wiederholung zu machen, wäre langweilig gewesen. Da kam die Idee, zwei Konzerte zu machen, bei denen sich kein einziger Song überschneidet. Und mit unserem Riesen-Repertoire ging das wunderbar - um ehrlich zu sein: Wenn wir genug Zeit hätten zum Proben, ginge auch noch ein dritter und ein vierter Tag!
Sascha Kinzler


Buch: Wolfgang Niedecken mit Oliver Kobold, „Für 'ne Moment", 528 S., 24 €; Album: BAP „Halv su wild"); Live auf dem Roncalliplatz: „BAPFest - Wolfang Niedecken und die WDR Big Band" 27.5., 19.38h; „BAPFest - BAP": 28.5., 19.39h, Tickets bei www.koelnticket.de

Unter Verlosungen gibt es 3 x 2 Tickets für das Konzert am 27.5. zu gewinnen.