(c)Sven Sindt / Universal(c)Sven Sindt / Universal

Der Mittelhandbruch, den sich Sänger Sebastian kurz nach Fertigstellung des neuen Albums „Labyrinth" zuzog, hat Madsen einen Schock versetzt. Inzwischen ist der Frontmann der Indie-Rocker zwar auf dem Weg der Besserung, aber leider muss die für Mai geplante Tour in den Winter verlegt werden. Trotzdem war Sascha beim Interview noch ganz optimistisch.

Wie geht es Sebastian? Wann wird er vollständig genesen sein?

Es geht ihm den Umständen entsprechend gut. Seit dem 16. März ist er wieder zu Hause, was ihm sichtlich gut tut. Die linke Hand kann er derzeit noch gar nicht benutzen. Aber wir hoffen, dass er Ende April mit den Reha-Maßnahmen anfangen kann.

Trotzdem musstet ihr die geplante Tour nun doch in den Winter verschieben. Oder?

Ja, nach Rücksprache mit den Ärzten stellt sich heraus, dass die Genesungszeit doch länger dauert als prognostiziert. Sie haben strengstens davon abgeraten, eine mehrwöchige Tournee zu spielen.

Ihr seht den Unfall aber nicht als schlechtes Omen, oder? Seid ihr abergläubisch?

Nein, abergläubisch sind wir nicht. Ich denke aber, dass man, wenn man eine so todesnahe Erfahrung gemacht hat, anfängt, über Schutzengel oder Ähnliches nachzudenken. Einen Sturz aus fünf Metern letztlich weitgehend unbeschadet zu überstehen, grenzt schon an ein Wunder. Dass es ein schlechtes Omen sein könnte, darüber denken wir keine Sekunde nach. Wir sind optimistisch, gucken nach vorne und versuchen, trotz allem das Beste daraus zu machen. Sebastians Ziel ist es, so schnell wie möglich wieder Gitarre zu spielen. Dafür wird er alles tun!

Beim neuen Album „Labyrinth" geht es vor allem um die Probleme und Hoffnungen Jugendlicher ...

... Na ja, so ein bisschen schon. Wobei wir selbst die Jugend ja schon hinter uns gelassen haben. Es dreht sich um die Herausforderungen des Erwachsenwerdens. Ich denke auch, dass wir unser bisher reifstes Album hinbekommen haben. Die Zusammenarbeit mit unserem Produzenten Olaf Opal war extrem gut und sehr wichtig für uns. Er war von der Entwicklung der Demos bis zum letzten Schliff dabei. Und das Feedback, das wir bisher bekommen haben, war auch sehr erfreulich. Was die Chartplatzierungen betrifft, konnten wir uns mit jedem Album verbessern. Ich hoffe, dass uns das erneut gelingt und wir wieder in die Top Ten kommen. Aber sollte das nicht klappen und wir landen in den Top 20 oder 50 ... na gut, dann ist das eben so.

Im Song „Berlin" kommt die Hauptstadt nicht gerade gut weg. Hat eure Kritik am urbanen Leben auch damit zu tun, dass ihr auf dem Land groß geworden seid?

Ja sicher, das spielt auf jeden Fall mit rein. Aber dass wir uns grundsätzlich nicht wohlfühlen in der Großstadt, stimmt auch nicht. Ich habe bis vor Kurzem in Berlin gewohnt, und Sebastian wohnt immer noch gerne dort. Wir haben alle ein zwiespältiges Verhältnis zu Berlin. Die Stadt hat einen Sog, dem man sich nur schwer entziehen kann. Es ist immer so, als würde sie einem ins Ohr flüstern, da noch hinzugehen oder das unbedingt noch miterleben zu müssen. Dieses ständige Gefühl, bloß nichts verpassen zu dürfen, sehen wir kritisch. Warum kann man sich nicht mal nachts auf die Straße setzen und Sterne gucken?

Ihr werdet sehr häufig mit Tocotronic verglichen. Seht ihr das als Ansporn oder empfindet ihr diesen Vergleich als Druck und Ballast?

Einerseits darf man sich davon nicht behelligen lassen. Auf der anderen Seite, mein Gott was soll's? Tocotronic haben uns nun mal beeinflusst. Vor allem in unseren Anfangszeiten war das eine extrem wichtige Band für uns, weil sie bewiesen haben, dass man auch unpeinliche deutsche Texte schreiben kann. Das war sicher ein Ansporn für uns. Aber wir entfernen uns stilistisch immer mehr von Tocotronic. Was die machen, ist noch viel intellektueller, während unser neues Album eine ziemliche Popansage ist.

Und wie reagiert ihr auf Kritiker, die euch vorwerfen, dass ihr thematisch beschränkt seid und nicht versteht, euren Texten Tiefgang zu geben?

Mhhh? Was sage ich denen? Die sollen sich die Alben noch mal genau anhören. Aber im Ernst, gerade was die Texte angeht, sehe ich beim neuen Album eine ziemliche Entwicklung. Klar kreist vieles um die Themen Jugend, Erwachsenwerden, Liebe etc., aber wir sind alle noch unter 30 und das ist eben das, was uns beschäftigt.

Eigentlich wolltet ihr am 25.5. in im Gloria sein. Was verbindest du bzw. die Band mit der Domstadt?

Wir sind immer sehr, sehr gut angenommen worden und hatten noch kein einziges irgendwie enttäuschendes Konzert in Köln. Egal in welchem Club oder was für ein Festival das war. Und wir hatten echt schon viele Auftritte in Köln. Sebastian Schmitz

Madsen