(c) Kevin Westenberg(c) Kevin Westenberg

Elbow, die Band um den begnadeten Songtexter Guy Garvey, hat nun ihr viertes Album „The Seldom Seen Kid“ herausgebracht. Mit Pete Turner, dem Bassisten der Formation aus Manchester, sprach Ulrich Rauschenberger.

Drei Jahre gab es schon keine Elbow-Platte mehr. Warum?

Wir haben zwei Jahre jeden Tag am Album gearbeitet. Und es hat leider so lange gedauert, das Label zu wechseln (Anm. der Redaktion: von V2 Records zu Polydor). Wir saßen währenddessen die ganze Zeit im Studio rum und haben an den Tracks geschraubt. Erst dachten wir, dass es schlecht sei, so viel Zeit zu haben, jedoch bin ich jetzt total zufrieden mit dem Album. Ja, es war also gut so lange daran zu schreiben.

Euer Freund, Songwriter Bryan Glancy, ist in der Zwischenzeit gestorben. War es dadurch schwieriger oder einfacher für euch, ein Album im Studio aufzunehmen?

Ich bin mir nicht sicher. Wir waren halt dort, das war nun mal der Stand der Dinge. Während der Aufnahmen hätte ich niemals vermutet, dass wir die Platte fertig bekommen. Es war unser Leben, unsere Situation, wir konnten nichts daran ändern. Natürlich war sein Tod wahnsinnig traurig.

Zieht sich, bedingt durch den tragischen Verlust eines guten Freundes, das Thema Trauer durch das gesamte Album?

Die Stücke sollen nicht traurig oder miserabel rüberkommen. Bryans Leben war toll, er war toll. Wir wollten einfach die Dinge zelebrieren, die wir an ihm liebten. Der Song „Friend of Ours“ ist genau wie Bryan. Er hat wenig geredet, seine Schultern taten dies für ihn oder ein paar trockene Gesichtsausdrücke. Guy hat dies einfach perfekt eingefangen.

Gibt es bei euch Momente, in denen ihr kurz überlegt: Ist dieser Song nicht vielleicht etwas zu persönlich?

Das weiß ich nicht. Vielleicht solltest du mit Guy darüber reden. Ich mag Ehrlichkeit, es ist etwas Echtes, Wahres daran. Ich bin auf jeden Fall stolz auf ihn, auch immer schon gewesen. Klar ist er oft sehr mutig mit seiner Wortwahl, aber wenn er damit leben kann, dann kann ich es auch. Man fängt mit Ehrlichkeit einen lebhaften Moment ein, es ist quasi ein Luxus.

Ihr seid euren Fans gegenüber also lieber offen?

Unsere Fans gehören zu uns. Wir haben keinen Abstand zu ihnen, keine künstlichen Barrieren. Man muss doch ein Arschloch sein, um auf so etwas zu stehen. Um rauchen zu können, muss man eh nach vorne gehen, dann kannst du auch mit den Leuten reden und abhängen. Es macht auch total Spaß. Scheiß auf Barrieren! Ein Elbow-Konzert soll eine große Party sein, mit alten Bekannten abhängen, die zu uns gehören.

Ihr seid klug, habt ein unglaubliches Gespür für tolle Melodien, schreibt extrem ansprechende Texte, kommt aber trotzdem nicht so richtig mit eurer Karriere voran?

Wir machen es schon so lange, deshalb ändert sich auch nichts mehr drastisch. Klar werden wir immer älter und etwas grauer, aber sonst bleibt alles beim Alten. Wir finden es aber auch seltsam, dass Leute uns darauf ansprechen. Ich liebe es natürlich, der ewige Kritikerliebling zu sein, aber wir leben auch schon zehn Jahre ganz gut von unserer Musik. Wir haben Familien, haben Häuser gekauft, das reicht doch schon. Viele unserer Freunde aus anderen Bands sind schon weg vom Fenster. Wir werden sehr langsam, aber sicher immer erfolgreicher. Beim 50. Album sind wir bestimmt Superstars!