Foto: Chiko
Der israelische Musiker Aviv Geffen gilt als Friedensbotschafter im Nahostkonflikt. In seiner Heimat hat er als Solo-Künstler über vier Millionen Platten verkauft. Mit seiner Formation Blackfield, gemeinsam mit Steven Wilson (Porcupine Tree), hat er nun ein neues Album herausgebracht.
Du bist als Friedensbotschafter bekannt, der sich für die Aussöhnung zwischen Israel und seinen Nachbarstaaten einsetzt. Was denkst du vor diesem Hintergrund über die Entwicklung in der arabischen Welt, insbesondere in Ägypten?
Erst einmal war ich froh zu sehen, dass die Menschen angefangen haben, die Online-Waffe zu benutzen, die sich dann auch noch gegen die Regierung bewährte. Das ist für mich eine fantastische Geschichte. Ich finde es auch immer toll zu sehen, wenn die Jugend auf die Straße geht, um für ihre Rechte zu kämpfen. Ich hoffe, sie werden den Weg zur Demokratie gehen und die Lage im Land nicht verschlechtern.
Denkst du, andere Staaten wie Großbritannien oder Deutschland können beim Weg in die Demokratie helfen?
Nun, Deutschland, die USA, Israel und England geben ihr Bestes. Aber die Entscheidung liegt bei den Menschen in Ägypten und den anderen Staaten. Es ist ihr Leben. Und natürlich ist es schwer, sich innerhalb eines Tages für die Demokratie zu entscheiden, aber ich denke, dass das der richtige Weg ist.
Deine Lieder haben oft eine politische Botschaft, andererseits möchtest du deinen Zuhörern bei Konzerten auch Wärme und Freude geben?
Ich denke, es ist gut, politische Botschaften in die Musik einfließen zu lassen. Wenn ich zum Beispiel aus meiner eigenen Erfahrung erzähle, kann das anderen helfen. Letzten Sommer durfte ich als Vorband von U2 spielen, und ich denke, da hat mich Bono sicherlich auch ausgewählt, weil ich eine Art Symbol bin, jemand, der für den Frieden kämpft.
Es ist elf Jahre her, dass du Steven das erste Mal getroffen hast. Woher wusstet ihr, dass ihr euch bei Blackfield so gut ergänzen würdet?
Weil wir wie verlorene Brüder sind, wie beste Freunde. Und wir leben beide für die Musik. Natürlich bin ich viel beschäftigt, und Steven hat auch viel zu tun. Aber für uns ist Blackfield ein Baby, es ist nicht mehr nur ein Nebenprojekt. Es ist immer größer und größer geworden. Heute haben wir Hunderttausende Fans auf der ganzen Welt. Darum wird unsere nächste Tour auch länger sein als je zuvor. Wir touren in ganz Europa, den Staaten, Kanada, Mexiko ... Es ist einfach so stark, die Leute können unsere Botschaften hören. Es ist ein bisschen wie - wir sind nicht wie sie - aber ein bisschen wie bei Radiohead. Man kann sagen, dass sie Rock sind, Metal sind, dass sie Folk sind, aber es ist immer Radiohead. Steven und ich haben eben auch unsere eigene, neue Sprache in der Musik entwickelt.
Obwohl es Blackfield jetzt elf Jahre gibt, ist „Welcome to My DNA" erst euer drittes Album ...
Bei der Kombination von Steven Wilson und Aviv Geffen ist es so, dass, wenn wir ein Album machen, es die Leute auch umhauen muss. Für das Album jetzt haben wir 37 Stücke geschrieben und alles dann auf elf zusammengekürzt. Wir nehmen das sehr ernst. Natürlich kommt hinzu, dass wir beide sehr beschäftigt sind, aber im Endeffekt ist Blackfield unsere Band und die hat dieses Jahr Priorität.
Wie würdest du die Platte in ein paar Worten beschreiben?
Es ist das perfekte Album, von dem Steven und ich geträumt haben. Wir haben die ersten beiden Alben gebraucht, um den perfekten Sound zu kreieren. Auf dem dritten Album waren wir dank dessen viel freier. Wir haben mit einem richtigen Orchester aufgenommen, mit 45 Musikern. Steven hat viel mit der Gitarre gemacht, Metal-Gitarre. Er ist der Boss für die Gitarren und das Schlagzeug, ich für das Orchester, Klavier und so weiter. So weiß jeder, was er zu spielen hat. Vielleicht kann man daher so viel Liebe auf dem Album hören.
Insgesamt ist die Platte eher ruhig, aber zwischendurch gibt es dann immer so kleine Explosionen, zum Beispiel in „Zigota" ...
Ja (lacht). Das ist ein Stück, das ich früher auf Hebräisch geschrieben habe. Steven meinte, dass wir es auch bei Blackfield spielen müssen. Es ist das einzige Cover von meinen hebräischen Liedern. Und es passt perfekt zu Blackfield, besonders auch wie Steven es auf seine ganz eigene Art, im „Blackfield-Style", singt.
In „Dissolving with the Night" malst du eine Art bittersüßes Bild vom Tod, sowohl musikalisch als auch textlich. Denkst du oft über den Tod nach?
Ich beschäftige mich mit drei Dingen: Liebe, Gott - wobei man sagen muss, dass ich Atheist bin - und Tod. Wir leben durch diese drei Dinge, aber wir können sie nicht mit Worten beschreiben. Was ist das? Was ist Liebe, wer oder was ist Gott? Was ist der Tod? Er beängstigt mich, aber er ist auch sexy, er ist ein Mysterium, genau wie Liebe und Gott. Ich mag es, mich mit Mysterien zu beschäftigen.
Früher warst du fast nur in Israel bekannt, jetzt arbeitest du mit Blackfield, aber du hast inzwischen auch schon mit U2 und Placebo auf der Bühne gestanden. Hat sich an deinem Leben hier in Europa etwas verändert?
Ja klar, im letzten Jahr ist einiges geschehen. Mit meiner Single auf der BBC-Playlist in England zu sein, in Deutschland in allen großen Radio-Stationen, für Placebo und U2 zu eröffnen ... Das ist etwas Großes für mich. Man kann nicht leugnen, dass etwas passiert ist. Das ist auch für Blackfield gut. Porcupine Tree hatte ein gutes Jahr, eine tolle Tour und ein neues Album, ich hatte ein tolles Jahr. Das wird uns helfen, mit Blackfield richtig durchzustarten.
Im April kommt ihr ins Bürgerhaus Stollwerck. Worauf dürfen sich die Fans freuen?
Auf eine atemberaubende Show. Wir arbeiten hart, und wir können es nicht erwarten anzufangen. Das wird richtig gut. Letztes Jahr habe ich hier mit Nena in der LANXESS arena gespielt. Das war auch gut und groß mit Nena, aber trotzdem freue ich mich noch mehr auf die Konzerte mit Blackfield. Mit meiner Band, mit meinen Songs. Felix Jansen
Blackfield: Welcome to My DNA (Kscope Music/Edel); live: 26.4., 21h, Bürgerhaus Stollwerck, Karten unter www.koelnticket.de
