© Alex Sturrock© Alex Sturrock

Jamie T hat es geschafft. Er hat seinem in charmantem Cockney vorgetragenen Debüt „Panic Prevention“ mit „Kings & Queens“ ein würdiges zweites Album folgen lassen, das vor unterschiedlichsten musikalischen Einflüssen und tanzbaren Beats nur so strotzt. Melanie Raabe hat sich mit dem jungen Briten unterhalten.

Woher kommt der Titel deines neuen Albums?

Es hat damit zu tun, dass ich immer daran geglaubt habe, dass man der König seiner eigenen kleinen Welt ist. In England gibt es ein Sprichwort: „Every Englishman needs his castle.“ Dein Haus ist deine Burg. So arrogant das vielleicht klingt, aber hey, du bist die Königin deines eigenen Königreiches, und wenn das jemand anders sieht: zur Hölle mit ihm!

Apropos, hast du immer noch das Haus, das du dir nach der letzten Tour gekauft hast?

Irgendwie schon. Ich sehe es nicht oft. Mein bester Freund ist da und mein Bruder wohnt dort. Es sieht nicht mehr so aus wie damals, als ich es gekauft habe. Es steht da und verfällt. Außerdem habe ich ein ziemliches Problem mit Motten, diese Viecher sind überall!

Brauchst du den Ort, um nach einer Tour dorthin zurückkehren zu können?

Nach Hause kommen finde ich eigentlich ziemlich grausig.

Aber es war doch zu lesen, dass du nach deiner letzten großen Tour eine Art Burn-out-Syndrom hattest und das Haus gekauft hast, um Stabilität in dein Leben zu bringen?

Ja, ich war da sehr lange unterwegs, ungefähr 18 Monate lang. Ich hatte das Haus vorher schon gekauft und als ich dann nach Hause kam, war es aber einfach noch voller Kartons. Und mir wurde klar, dass die Telefonnummern meiner Freunde nicht mehr stimmten. Ich hatte ein Haus voller Kartons und sonst nichts. Es hat gedauert, bis ich mein Leben wieder aufgebaut und aus all diesen Kartons geholt hatte und wieder normal leben konnte. Seitdem ist die Rückkehr nach einer Tour für mich eher traumatisch.

Sind unter deinen Freunden eigentlich viele Musiker, also Menschen, die Ähnliches erleben?

Nicht so viele, wie man meinen könnte. Eine Zeit lang bin ich in einer Londoner Gegend rumgehangen, die voll ist mit Musikern und Künstlern. Und die habe ich einfach nur die ganze Zeit Scheiße reden gehört, permanent. Es hat mich echt gelangweilt. Halt so richtig prätentiös, echt ätzend. Ich dachte immer nur: Warum sitzt ihr alle hier und redet drüber, geht und tut es! Das hat mich echt genervt, also habe ich meine Zeit lieber mit meinen Freunden mit ihren normalen Jobs verbracht. Die haben eh viel mehr zu erzählen als all diese Leute, die so tun, als wären sie Künstler. Redet nicht drüber, macht es! Sorry, das war gerade eine ziemliche Tirade. (lacht)

Was für Musik hörst du denn derzeit privat und was hast du gehört, während du am Album gearbeitet hast?

In den letzten paar Wochen waren die einzigen Scheiben, die ich gehört habe, ein Album von Bob Dylan namens „The Times They Are a Changing“ und „Nebraska“ von Bruce Springsteen – das war's. Als wir das Album gemacht haben, lief viel Eddie Cochrane. Viel booty Bass-Zeugs, aber auch Bad Brains, Rancid, so was eben. Aber auch Kram aus den 60ern, wie Creedence Clearwater Revival, Van Morrison, Jefferson Airplane und so. Wir waren ziemlich eklektisch. Oh, auch jede Menge Fela Kuti, was cool war, weil ich den vorher noch gar nicht gehört hatte. Bei mir geht’s immer darum, mir das Zeug zu krallen und mich richtig dahinein zu versenken.

Du hast mal gesagt, wer bei dem Produktionsprozess deiner Tracks nicht dabei ist, kann ihn nicht verstehen. Arbeitest du  so chaotisch?

Ja, die Leute vom Label verstehen das alles so gar nicht – die finden, ich und mein Produktionspartner Ben wären in der Zusammenarbeit ein echter Albtraum.

Weil sie gerne alles planen und ihr das durchkreuzt?

Ja. Und ich finde halt, es ist das Beste, die Leute ein wenig auf Abstand zu halten, denn sonst musst du ständig erklären, was du machst. Wir haben die auch ständig angelogen. Behauptet, wir würden im Studio arbeiten, wenn wir was ganz anderes gemacht haben. (lacht) Ich weiß übrigens, dass die von meinem Label einen Spitznamen für mich haben, aber niemand will mir verraten, welchen ...

Jamie T: Kings & Queens, Virgin (EMI), VÖ: 4.9.

Jamie T.: Kings & Queens