(c) Bevis Martin & Charlie Youle
Der Longplayer „The Warning“ von Hot Chip sahnte 2006 so richtig ab: Das Mercury-Music-Prize-nominierte Zweitwerk mit einem Mix aus tanzbaren Rhythmen, gepaart mit makelloser Popästhetik, brachte Kritiker weltweit ins Schwärmen. Das dritte Album „Made in the Dark“ (VÖ: 1.2.) ist nun fertig. Das Equipment ist teurer, der Sound dadurch klarer, und an der Qualität der Songs hat sich nichts geändert.
Hot Chip ist eine Band, die von vielen unterschiedlichen Szenen geschätzt und geliebt wird. Würdest du dem zustimmen?
Das hoffe ich, denn wir mögen viele verschiedene Musikrichtungen. Bei uns tummeln sich etliche Gattungen gleichzeitig in der Musik. Für uns ist dies jedoch ganz natürlich. Die Leute sollen tanzen, singen, traurig oder auch glücklich sein, alles wollen wir mit unseren Songs abdecken. Viele Bands sprechen absichtlich nur eine bestimmte Szene an, das tun wir nicht. Wir finden so etwas zu simpel.
Sprechen euch Szenen generell nicht besonders an?
Szenen machen uns einfach Angst, um ehrlich zu sein. Sie sind immer zu eindeutig ausgerichtet. Wir sind einfach gute Freunde mit unterschiedlichen Musikgeschmäckern, die versuchen im Tonstudio ihre Vorlieben unter einen Hut zu bringen. Wir spielen in Clubs, auf Festivals, in Konzerthallen, wo wir Musiker aus allen Genres treffen. Wir schließen nichts bewusst aus, es passiert einfach.
Dance-Labels wie Ed Banger, oder Kitsune sind schwer angesagt. Die Zeit ist gut, um verschiedene Stilrichtungen miteinander zu vermischen, oder?
Ja, für viele Bands schon. Tanzmusik wird wieder mehr von der breiten Masse angenommen. Wir hatten sogar eine kleine Veröffentlichung auf Kitsune. Jedoch sind wir anders als diese ganzen Club-meets-Rock-Acts, die derzeit im Trend liegen. Es ist aber toll, dass sich Leute mit neuartiger Musik beschäftigen und sich eine Meinung darüber bilden können, die nicht unbedingt kommerziell ausgerichtet ist. Hoffentlich wird sich diese Toleranz, die sich im Dance-Bereich bemerkbar macht, auch auf andere Genres wie Folk oder Country auswirken.
Würdest du sagen, dass euer neues Album mehr Attitüde hat als die Vorgänger und dadurch emotionaler daherkommt?
Das könnte schon sein. Das letzte Album war etwas runder, ein Gesamtkunstwerk. Diese Platte ist facettenreicher. Manche Songs sind synthetisch, mehr abgerundet und klingen beinahe perfekt. Andere Stücke wiederum sind eher ruhiger ausgefallen, quasi Balladen, und dadurch etwas emotionaler. Es gibt aber auch härtere Tracks, die einen richtigen Punch haben. Viele der Songs sind einfach direkter, wirken deshalb vielleicht gefühlsbetonter.
Als Band seht ihr alle locker und nicht gerade top gestylt aus. Euer optisches Image scheint euch nicht so wichtig zu sein?
Unser Äußeres war uns schon immer egal. Wir konzentrieren uns nun mal auf die Musik. Du kannst ziemlich wild aussehen oder auch etwas geheimnisvoller rüberkommen. Bei uns ist auf jeden Fall beides nicht der Fall. Wir fallen nicht auf und sind auch nicht besonders mysteriös. Musik sollte Musik bleiben, es geht nicht um irgendwelche coolen Fotos im Albumartwork.
Hot Chip, 11.3., Gloria, Karten unter www.koelnticket.de
