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Was immer Snow Patrol in den vergangenen Jahren veröffentlichten, verwandelte sich in pures Gold. Am 11.11. kommt nun ein neues Album der Band heraus. Stefan Wolfach sprach mit Frontmann Gary Lightbody über „Fallen Empires".

Gary, du hast gelogen.

Bitte? Womit denn?

Kritiker meinten, alles, was euch zum ganz großen Erfolg fehle, seien ein paar handfeste Skandale. Du erwidertest, ihr würdet zukünftig daran arbeiten.

(lacht) Mist! Wir haben noch immer keine Hotelzimmer zerlegt und torkeln nicht aus Rotlicht-Clubs. Aber ehrlich gesagt, habe ich auch keinen Bock darauf. Ich bin einfach nicht der Typ dafür und will es auch nicht sein. Immerhin: Die Bands, die mit uns gemeinsam tourten, staunten stets, dass wir sie locker unter den Tisch trinken. Aber das war's dann auch schon. Glaub es oder nicht: Ich habe genug Spaß an der Musik.

Die klingt dieses Mal auch ziemlich anders, so als hättet ihr die Liebe zum Dancefloor entdeckt.

Ich liebe Dance-Music! Als ich in Dundee studierte, hörte ich nur Indie-Rock, stand auf Gitarren und die ganzen amerikanischen Rockbands. Rund um die Uni gab es eine Menge Clubs, dort lernte ich einen heutigen Freund von mir kennen, der dort auflegte. Durch ihn hörte ich zum ersten Mal die wirklich coolen Dance-Tracks, Künstlerinnen wie Marlena Shaw. Durch ihn lernte ich DJing, begann selbst aufzulegen. Dance-Music ist Teil meines Lebens. Und das schon seit langer Zeit.

Nur hörte man das bislang nicht. Snow Patrol sind als Rockband erfolgreich. Meinst du, die Fans gehen da mit?

Ich finde, diese Tendenzen klangen gelegentlich schon durch. Vielleicht weniger auf „Open Eyes", aber sicher auf „A Hundred Million Suns". Dance-Sounds waren latent immer präsent. Wenn ihr euch die Gitarren wegdenkt, hört ihr elektronische Sounds die wie ein roter Faden durchlaufen. Nur war das bisher nie so offensichtlich. Das wollten wir diesmal etwas offensiver rausstellen. Wir machen das aber nicht, um die Fans zu schockieren oder eine neue Band zu werden. Wir sind noch immer Snow Patrol.

Sicher. „New York" ist ja auch ein perfektes Beispiel für euer zweites Talent: Balladen. Der Song ist ein echer Tränendrüsendrücker.

Ich muss gestehen, das „Fallen Empires" das erste Album ist, wo es nicht zwingend um gescheiterte Beziehungen geht, sondern einfach um tolle Menschen, die ich in den USA kennengelernt habe. Aber um ehrlich zu sein, geht's hier um ein Mädchen, das mir das Herz gebrochen hat! (lacht) Ich verrate dir ein Geheimnis des Pop: Gerade jene Balladen, in denen es offensichtlich nicht um Liebeskummer geht, handeln genau davon.

Und wo sind auf diesem Album die Gitarren geblieben? Wo ist der Rock'n'Roll?

Die Gitarren sind da, keine Sorge. Sie haben auch ihre Momente, wo sie vorne und laut sind. Eigentlich gibt es auf diesem Album sogar mehr Gitarren als bei allen zuvor. Aber wir waren diesmal so mutig, sie etwas zurückzunehmen.

Bono von U2 klagte einst, der weiße Rock'n'Roll habe keine Hüften. Soll heißen, wir Weißen könnten nicht tanzen.

U2 haben das zu „Pop" skandiert, ich weiß. Sie haben versucht mit Songs wie „Mysterious Ways" Dance und Rock zu verbinden. Auch wir versuchen diese beiden Stile zu verheiraten. Das ist tricky, aber es geht.

Bist du ein Tänzer? Gehst du tanzen?

Oh ja, ich tanze sogar die ganze Nacht durch! Und nach ein paar Bier erst recht! Gerade letzte Nacht war es wieder spät. Allerdings waren da auch ein paar Bars dazwischen.

Für das Video zur Single „Called out in the Dark" habt ihr „Fluch der Karibik"-Actor Jack Davenport engagiert, der den smarten Sänger spielt, wärend du verzweifelt versuchst ins Bild zu kommen. Machen dir solche Drehs Spaß? Wäre Schauspielerei eine Option für dich?

Absolut nicht! Ich finde es schon nervig, darauf zu warten, bis wir endlich auf die Bühne können. Gerade die Warterei bei Filmdrehs ist extrem nervig. Ich glaube kaum, dass mir Schauspielerei Spaß machen würde. Und was das Talent angeht: Meine Freunde und auch Nathans (Conolly, der Gitarrist) Freundin Laura Donelly, die ja selbst Schauspielerin ist, sagten zu mir: Gary, eines Tages wirst du es schaffen! Ich bin mir nicht sicher, ob sie das als Kompliment meinten.

Das Video zeigt auf alle Fälle eine neue Seite an euch: Humor.

Ich weiß, sonst stehen wir für Melancholie, Pathos, Enrsthaftigkeit. Prima.

„This Isn't Everything You Are" ist dann jedoch schon wieder ein Paradebeispiel für euren Hang zu großen Gesten, Arangements mit Bläsern, Hörnern, Streichern und Chören. Monumentaler geht's kaum.

(grinst) Die Nummer ist das klassische Beispiel einer Snow-Patrol-Hymne. Obwohl dieses Album anders klingt, wollten wir das mit diesem einen Song klarstellen. „Fallen Empires" ist sonst auch weniger poliert als das letzte Album. Und es war nicht gerade einfach, alle Stile zusammenzubringen. Dies war das schwierigste Album, das wir bislang gemacht haben. Denn dieses Mal sind die romantischen Songs so zart wie rosa Seidenpapier und die großen Hymnen wirklich gigantische Monster.

Was habt ihr als Band gelernt?

Wir haben neue Wege ausprobiert, um uns in den Hintern zu treten und uns aus unserer Komfortzone herauszuholen. Wir wollten uns fordern. Das war mitunter frustrierend, aber auch spannend. Und es hat wesentlich länger gedauert als gedacht. Aber es fühlt sich verdammt gut an.

Snow Patrol, 26.2.2012, 19.30h, Mitsubishi Electric Halle, Düsseldorf

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