(Foto: Claudia Grassl)
Goodbye, tristesse!
Das letzte Album von Moneybrother hieß „To Die Alone“.Trauriger geht’s nimmer. Nun hat der nette Schwede mit dem eigentlich recht sonnigen Gemüt und dem Soul im Blut dem Weltschmerz ade gesagt. Mit „Mount Pleasure“ legt er ein wunderbar fröhliches Album vor. Melanie Raabe hat Anders Wendin, wie Moneybrother eigentlich heißt, getroffen.
Ich habe gehört, dass du dein neues Album, „Mount Pleasure“, nach einem real existierenden Berg in der Karibik benannt hast, den du mal auf einer Reise entdeckt hast und der nur von Rastafaris und strangen, piratenmäßigen Aussteigern bevölkert war. Klingt ein wenig ausgedacht …
Ist aber echt wahr. Es ist eine sehr kleine Insel, mit nur 4.000 Bewohnern oder so. Und die meisten von ihnen waren Rastafaris, also – schwarze Rastafaris, die rastafarimäßig redeten und ständig „Hey man” sagten. Und dann waren da noch diese weißen Typen, nur einige wenige, die genauso redeten und wirklich verrückt aussahen, mit Bandanas und so. Sie sahen aus wie Piraten. Ich glaube, sie waren Statisten in „Fluch der Karibik”. Das würde passen, die bräuchten noch nicht einmal Kostüme. Die Insel war großartig. Eines Tages gingen der Freund, mit dem ich da war und ich in eine Bar und da saß ein Mann, der die ganze Zeit breit lächelte. Er saß da und sah ein bisschen seltsam aus, barfuß mit wirklich sehr langen Zehennägeln… Und ich fragte ihn, was los sei, ob es etwas zu feiern gäbe. Und er meinte ja, es sei sein Geburtstag. Und ich sagte: „Oh, herzlichen Glückwunsch, kann ich dir einen Drink ausgeben?” Und er: „Ja, danke.” Und wir setzten uns mit ihm hin und er erzählte uns, dass dies sein 91. Geburtstag wäre. Es war unglaublich.
Man sollte wirklich auf diese Insel ziehen, oder?
Ja! [lacht] Kennst du den Film „Yalla Yalla”?
Ich habe schon von ihm gehört, ihn aber noch nicht gesehen …
Also, der Typ, mit dem ich auf dieser Insel war, hat den Film gemacht. Der Film ist ziemlich bekannt in Skandinavien. Ich erzähle dir nur diese Details, über meinen Begleiter oder das mit den langen Zehennägeln, damit du mir die Story glaubst! Sowas würde sich doch niemand ausdenken, oder?
Okay, ich glaube dir mal. Magst du Filme?
Nein, nicht so sehr. Musik ist mein Ding, weißt du? Das war schon immer so. Auch in Sachen Malerei z.B. ist es so: Natürlich mag ich ein Bild, wenn es schön aussieht. Aber ich habe dazu keine so starke Verbindung wie zur Musik. Musik war schon immer die Kunstform für mich.
Kannst du dich noch an den allerersten Song erinnern, den du je geschrieben hast?
Ja, irgendwann als Kind – das Lied war grauenhaft. Es war von irgendeinem bekannten Song aus der Zeit zusammengeklaut. So wie Kinder halt schreiben…
Die erste Singelauskopplung „Just Another Summer“ auf deinem neuen Album hört sich ein bisschen so an, als würdest du deine Kindheit vermissen oder die Teenagerjahre?
Hm, ich weiß nicht. Ich bin jetzt 32, und ich vermisse es nicht, jung zu sein, aber ich vermisse es, Dinge zum ersten Mal zu erleben. So unerfahren und offen, quasi naiv zu sein und alles mit Erstaunen wahrzunehmen. Weißt du, wenn ich früher Leute gesehen habe, die auf der Straße jonglierten, blieb ich stehen, sah zu und genoss das. Wenn mir das heute passieren würde, würde ich eventuell mit „Oh Mann, haut ab, ihr blockiert die Ausfahrt“ reagieren. (lacht)
Du bist bekannt für deine tolle Bühnenshow. Gibt es Künstler oder Bands, deren Auftritte dich noch so richtig beeindrucken?
Hm, also ich mag Bands, die während ihrer Show unerwartete Dinge tun. Die zum Beispiel mittendrin aufhören zu spielen und anfangen, eine Konversation zu beginnen. Solche Dinge. Ich mag es, wenn man als Zuschauer merkt, dass die Band sich richtig Gedanken gemacht hat über ihre Show.
Warst du schonmal in Köln? Und gefällt es dir hier?
Ich habe hier schon einige Male gespielt, zwei oder dreimal, das war nett. Und ich war hier öfters bei VIVA. In einer Sendung bin ich wirklich andauernd aufgetreten …
… Du meinst Sarah Kuttners Show?
Ja, genau! Und da, bei dieser Sendung, habe ich halt ziemlich viele Leute hier kennen gelernt, mit denen ich ausgegangen bin und die mich mitgenommen haben zu ganz nette Locations. Auf diese Art habe ich eine ganz gute Connection zur Stadt bekommen.
Gibt es ein bestimmtes Land, in dem du gerne mal spielen würdest, in dem du aber bisher noch nicht die Gelegenheit hattest aufzutreten?
Ich würde sehr gerne mal in Japan spielen. Ich war da schon mal, und ich finde das Land großartig. Das Publikum da wäre bestimmt völlig unglaublich. Die sind so unbeeinflusst und unbeeindruckt von unserer westlichen Gesellschaft. Einfach weil die ihr eigenes Ding haben, die imitieren uns nicht, das haben die gar nicht nötig. Hier baut man ein Auto – dann bauen die ein besseres und billigeres Auto.
Du scheinst ja viel zu reisen. Liegt das am Job?
Nein, ich reise einfach unheimlich gerne. Wenn ich zu Hause bin und ein wenig freie Zeit habe, dann packe ich sogleich meine Sachen und ziehe los.
Wohin reist du denn besonders gerne?
Ich liebe beispielsweise Asien: Japan, Vietnam …wirklich großartig. Und ich muss leider zugeben, dass ich Kalifornien sehr, sehr gerne mag. Was natürlich ein wenig problematisch ist. Wenn du sagst, du magst New York, dann klingst du nach einem coolen Typen, der schon überall gewesen ist und einfach Bescheid weiß. Aber wenn du sagst, du magst L.A., dann hörst du dich an wie ein Arschloch. Du klingst, als würdest du auf Paris Hilton stehen. Aber Kalifornien ist nunmal großartig, alles ist so einfach, die Menschen sind so offen. Du gehst zu einer Party und jemand kommt zu dir und sagt: „Hey, magst du Musik?”, und du sagst: „Ja!”. Und und er sagt dann: „Oh cool, ich auch!” und freut sich wie verrückt, dass ihr so viel gemeinsam habt. Und dann fragt er weiter „…und Filme?”, und du so: “Yeah!”. Und dann ist er ist total geflasht. Wenn du aber in Schweden jemanden so ansprechen würdest, würdest du dafür wahrscheinlich nur ein „Hau ab, du Schwuchtel!” ernten. Weißt du, wenn ich nach so einer Reise wieder in Schweden am Flughafen ankomme und ein Mädchen frage „Magst du Musik?” und sie einfach weggeht, dann weiß ich, dass ich wieder in Schweden bin.
Live: 1.10., 21h, Prime Club
