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Iglu & Hartly sind jung, ungestüm und gut drauf. Sascha Kinzler sprach mit den kalifornischen Alternative-Pop-Newcomern über Hoffnungen, Chart-Erfolge, ausverkaufte Touren, die harte Zeit vor dem Plattenvertrag und das Debütalbum.

Woher kommt euer Bandname?

Der Name kommt von einem Haufen talentierter Abenteurer, die Iglu and Hartly genannt wurden. Wir haben den Namen gewählt, um ihr Andenken lebendig zu halten. Um 1700 sind sie auf der Suche nach Ananas-Quellen losgesegelt, aber sie sind in der Arktis mit ihren Schiffen stecken geblieben und gestorben. Nichtsdestotrotz waren sie Abenteurer, und wir sehen uns auch als Abenteurer. Und obwohl ihr Abenteuer unterbrochen wurde, haben sie einfach bis zum bitteren Ende weitergemacht. Das hat unseren vollen Respekt.

Euer Debütalbum heißt „& then boom“. Ist das so ein Spruch von euch oder eine Art Bandmotto?

Ja, es ist ein Bandmotto und auch eine Phrase, die wir ziemlich oft benutzen. So in dem Stil: „Hey, ich gehe jetzt in den Park und schaue meinen Kindern beim Spielen zu – and then boom!“  

Im CD-Case ist ein Foto von jemandem, der sich den Titel des Albums hat tätowieren lassen – ist das einer von euch? Oder ein Fake?

Wir haben das Foto in unserem Vorgarten gemacht – das ist der Hintern unseres Hundes! Das Tattoo ist aber später mit [dem Bildbearbeitungsprogramm] Photoshop hinzugefügt worden.

Javis, du hast mal gesagt: „Bei uns geht es darum, Barrieren einzureißen“ – hast du da irgendwelche speziellen gemeint?

Kulturelle und physische Barrieren zum Beispiel. Wir mussten schon eine Menge Hindernisse überwinden: Zum Beispiel mussten wir uns einen Ort, an dem wir spielen konnten, suchen und Leute, die Lust hatten, dann auch in diesem Club zu bleiben. Und diese ganze Plattenindustrie ist auch schwer zu knacken. Wir haben schon viel geschafft, aber es gibt auch noch eine ganze Menge Barrieren niederzureißen!

Welche Barriere würdet ihr denn gerne als Nächstes niederreißen?

Wie wäre es damit, dass wir einen Smash-Hit in Deutschland haben? Das wäre cool!

Apropos Barrieren: Seid ihr große Obama-Fans?

Ja, wir lieben ihn. Wir müssen natürlich erst mal abwarten, was er tun wird. Aber ich mag die Art, wie er rüberkommt und lächelt. Und das ist auch so ziemlich alles, was ich über ihn weiß.

Auf eurer Homepage kann man ja euer Haus in Echo Park sehen, und das wirkt wie eine Art Kommune. Ist bei eurer Art zu leben und Musik zu machen eine Art Hippie- oder Punk-Einstellung im Spiel?

Ja, ich denke, da gibt es schon so eine Hippie-Atmosphäre. Wir nennen es „The Compound“ (Anm.: „Eingezäuntes Gelände“/„Mischung“/ „Verbindung“/„Assoziation“). Grundsätzlich macht da jeder Party oder Musik oder hängt auf dem Dach ab. Und zwar in einer freien, liebevollen Atmosphäre. Die Leute schreien da nicht wirklich oft rum. Wir sind da auf eine Art einfach glücklich.  

Ihr habt euer Album komplett in eurem Wohnzimmer aufgenommen. Was, würdest du sagen, waren da die Vor- und Nachteile im Vergleich mit Aufnahme-Sessions in einem regulären Studio?

Der Vorteil war, dass die ganze Zeit Leute bei uns herumhingen und Spaß hatten, während wir Musik gemacht haben. Nachteile gab es eigentlich keine. Okay, mit dem Equipment, das wir hatten, war es nicht ganz leicht, aber wir haben die Tracks dann zu unserem Mixer gebracht, und der hat es dann geschafft, dass alles ziemlich gut klingt. Im Grunde war es so: Ich, als Songwriter, Produzent und Sänger der Band, saß da und machte all die Beats – und na ja, und all die anderen um mich herum haben getanzt.

Also warst du so eine Art Erwachsener in der Mitte von feiernden Leuten?    

Ganz genau!

Und war das schwer?

Allerdings.

Mal zu euren Wurzeln: Ihr habt euch ja auf der University of Colorado getroffen. Was habt ihr da eigentlich studiert?

Ich habe Business Marketing studiert und bin nicht sehr weit gekommen. Die anderen haben  Englisch, Japanisch, Geometrie und Meeresbiologie studiert – aber Letzteres schied nach einem Haiangriff sowieso als Studienfach aus …

Gab es da denn eine Begebenheit oder ein spezielles Ereignis, an dem ihr zu einer Band wurdet?  

Ja und nein, denn für mich selbst war es auch eine fortlaufende Entwicklung: Ich habe schon immer Musik produziert und Songs geschrieben und so ein Zeug, und dann habe ich Leute gefunden, die das mit mir zusammen machen wollten. Als Simon, Sam und ich in Colorado zusammenfanden, war das ein besonderer Augenblick.

War es denn hart für dich, die Entscheidung zu treffen, das Studium endgültig an den Nagel zu hängen?

Nein, das war überhaupt nicht schwer: Ich bin im Grunde einfach weggegangen. Und niemals wieder zurückgekommen [lacht]. Das war leicht. Wir wussten alle, dass wir das tun und uns fokussieren mussten. Also haben wir’s alle gemacht. Und weil wir wussten, dass L.A. der richtige Ort dafür ist, sind wir eben umgezogen …

Kannst du dich erinnern, wann du das erste Mal gedacht hast: „Diese Band wird auf der ganzen Welt bekannt werden!“?

Irgendwie habe ich immer gedacht, dass wir überall groß werden würden, weil wir so nette Typen sind und wir, na ja, einfach nicht zu stoppen sind. Also sind wir auch nicht allzu überrascht, dass wir überall gut ankommen.

Der Sound eures Albums ist schon etwas 80er-Jahre-mäßig. Bist du ein großer Eighties-Fan?

Ja, ganz und gar. Ich liebe viele Sachen an den 80ern, denn einige meiner frühesten Erinnerungen stammen aus dieser Zeit. Ich mag den Klang der Synthesizer, und es gab da eine Art frei fließendes Format – man konnte eigentlich alles machen, was man wollte. Einige dieser Elemente habe ich in unsere Musik eingebracht, weil die einfach richtig cool sind. 

Im Song „Violent & Young“ habt ihr zum Beispiel Enflüsse aus dem Alternative-Rock- und dem Electro-Pop-Bereich kombiniert, und Stimme und Rap-Stil erinnern ein wenig an Eminem und Linkin Park – würdest du Letztere als musikalische Einflüsse nennen?

Ja. Alles beeinflusst dich! Man absorbiert jeden Tag so vieles, dass ich denke, dass dies durchaus Einflüsse von uns sein können. Es ist schwer, eine Band zu finden, von der man keine Einflüsse finden könnte, denn heutzutage ist alles so ein großer Brei geworden … da ist so viel Musik da draußen! 

Und gibt es für dich als Produzenten starke Einflüsse?

Ja, zum Beispiel das Underground-HipHop-Zeug, dass ich zu Highschool-Zeiten gehört habe. Das waren zum Beispiel „Dilated Peoples“ und „Jurassic Five“.

Und wie steht’s mit Leuten wie „Grandmaster Flash“?

Ja, klar, Grandmaster Flash! Und dann habe ich angefangen, Classic Rock und so zu hören. Zum Beispiel „Thin Lizzie“ – ich liebe diese Band! Besonders ihren Song  „The Boys Are Back in Town“.

Wer ist denn für dich der beste Musiker oder die beste Band aller Zeiten?

Ich habe große Hochachtung vor Joe Collins.

Und welcher Song oder welche Band ist dein Favorit für den Dancefloor?

Ich finde „Better off Alone“ von Alice Deejay großartig.

Eure Single „In This City“ kam auf Platz fünf der UK-Charts, eure Tour in Großbritannien war ausverkauft. Habt ihr als Band ein Ziel für 2009?

In diesem Jahr wollen wir einfach so viel reisen wie möglich, so viele Leute treffen wie möglich und so viele Konzerte spielen wie möglich. Und neue Musik machen, die die Leute lieben.

Wie kamt ihr eigentlich zu eurem Plattenvertrag?

Wir haben auf einem Festival gespielt, das hieß „South by Southwest“. Da waren Leute von allen möglichen Plattenfirmen, und wir haben uns dann gedacht, Mercury wäre das coolste Label.

Und vor dem Plattenvertrag? Konntet ihr zu dieser Zeit die Miete mit Konzerten bestreiten, oder musstet ihr tagsüber jobben gehen?

Wir haben alle gejobbt, und Konzerte gegeben haben wir auch. Sam hat in einer Kartoffel-Fabrik gearbeitet, Simon in einem Gebrauchtmöbel-Laden, Louis hat auf dem Land Zitronen gepflückt, und Bucher war Surf-Lehrer. Ich habe an einer Tankstelle gearbeitet und den ganzen Tag Benzin gezapft …

Wie passte das mit dem Musikmachen zusammen? War das stressig?

Das war sehr stressig! Und am stressigsten war es für Sam, denn er musste den ganzen Tag lang Kartoffeln schälen und wenn er abends nach Hause kam, war er nicht sehr glücklich. Da mochte ich meine Tankstelle lieber, denn da kamen den ganzen Tag lang heiße Mädels angefahren.

Konnte Sam denn überhaupt noch Keyboard spielen nach der ganzen Schälerei?

Ja, er roch zwar nach Kartoffeln und hatte wunde Finger, aber er konnte spielen. Aber wir sind darüber hinweggekommen und haben so viel Zeit wie möglich damit verbracht, Musik und Party zu machen.

Und ihr habt nie die Hoffnung verloren, dass ihr irgendwann mal bekannt und berühmt werden würdet?

Die Hoffnung haben wir nie aufgegeben!

Werden wir euch denn dieses Jahr live in Deutschland sehen?

Ja, zu den Festivals im Sommer werden wir da sein – hoffe, wir sehen uns da!

 

Iglu & Hartly: & Then Boom, Universal; das Album ist bei bekannten Online-Händlern erhältlich.

Iglu & Hartly: "& then boom"