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Nada Surf - Promi-Dinner für Hochqualitativhörer

Als unbekümmerte Party-Rock-Rüpel gestartet, hat sich das New Yorker Trio Nada Surf, bestehend aus Daniel Lorca (bass, vocals), Matthew Caws (guitar, vocals) und Ira Elliot (drums, vocals), zu einer ernsthaften, nachdenklichen Indie-Band entwickelt. Das zeigt Daniel Lorca beim Gespräch über Erfolgsdefinitionen, Hochqualitativhörer und bewusste Ernährung.

Nehmen wir den Titel eures fünften Albums „Lucky“ mal wörtlich: Was bedeutet Glück für dich?
Glück kann etwas ganz Kleines sein. Ein gutes Glas Wein nach einem Gig. Wenn ich von der Bühne in zufriedene Gesichter schaue. Oder das Gefühl, gerade einen geilen Song aufgenommen zu haben.

Mal abgesehen von eurem 1996er- Smash-Hit „Popular“ seid ihr vom kommerziellen Glück nicht gerade verwöhnt worden. Ihr geltet noch immer als ewiger Geheimtipp des amerikanischen College-Rock.
Stimmt, unser Video zu „Popular“ ging ziemlich ab, bis wir dachten, wir seien riesengroß. Okay, heute weiß ich: Wir sind es nicht! Sas Video wurde größer als der Song, der Song größer als wir. Das war eine ziemlich furchterregende Erfahrung.

Aber will nicht jede Band so groß und berühmt werden wie möglich?
Ich liebe es, Musik zu machen, aber ich hätte keine Lust auf diesen Medienzauber, den die HipHopper mit ihren Arsch&Titten-Partygirls-am-Pool-Videos veranstalten. Oder diese unerträglichen PR-Kampagnen von Britney Spears’ Agentur. Oder die Dramen um Pete Doherty und Amy Winehouse. Lass es mich so sagen: Ich bin ganz froh, dass uns einige Leute kennen. Uns geht es gut.

Dir selbst auch? Du sagst, du habest keine Angst vor der Zukunft, aber Angst vor den kommenden acht Stunden. Klingt nach Depressionen.
Das hat Matthew mal gesagt. Aber wir denken beide so. Das Leben ist eine tolle Sache, und wir bejahen es aus tiefstem Herzen. Nur wenn bestimmte Termine konkret werden, beschleicht dich so eine komische Angst, ob alles klappen wird. Es lässt mich völlig ruhig, dass jeder meiner Tage dieses gesamten Jahres bereits komplett verplant ist. Aber fünf Stunden bevor ich auf die Bühne gehe, könnte ich vor Lampenfieber kotzen.

Dabei habt ihr doch ausgesprochen liebe und treue Fans.
Genau, die mögen Musik, die kaufen CDs und Vinyl-Platten, legen Wert auf ein gutes Artwork und sammeln nicht MP3-Dateien. Wir haben Hochqualitativhörer. Die haben unsere Platten nicht nur im Plattenregal stehen, um vor Freunden damit anzugeben, cool zu sein. Die hören auch nicht nur einen Song, sondern ein ganzes Album durch, nehmen sich Zeit und machen sich Gedanken.

Zum Beispiel, warum sie ausgerechnet euer fünftes Album gekauft haben?
Vielleicht, weil wir mit allem, was wir tun, versuchen ehrlich zu sein. Wir werden oft gefragt: Wie schreibt ihr Songs? Keine Ahnung. Ich habe da kein Whiskey-Glas, das immer neben dem Klavier steht, oder sowas. Ich weiß nur, was ich nicht mag.

Was zum Beispiel?
Klischeetexte. So was wie (singt) „Baby, als ich dich sah, wusste ich, dass du die Eine bis. Und heute ist die Nacht der Nächte, auf die ich mein Leben lang gewartet habe.“ oder so. (lacht)

So klappt’s mit dem Erfolg aber oft viel schneller.
Aber wie definierst du Erfolg? Durch Geld? Ich habe keinen Respekt davor. Geld ist Geld. Und ich bin echt gut darin, es auszugeben. Ich kann von dem, was ich mache, sogar ganz gut leben. Nur das hat für mich Gewicht. Und ich bin der festen Überzeugung, dass man mit Willen, Entschlossenheit und Glauben an die eigene Stärke das Glück – was auch immer das für jeden Mensch bedeutet – ein Stück weit erzwingen kann.

Auch durch handwerkliches Geschick?
Rock-Musik ist doch total einfach! Kann doch jeder, was wir tun. Echt. Wir sind keine begnadeten Musiker. Außer Ira vielleicht, unser Drummer ist wirklich richtig gut. Aber wir sind eher schlicht. Der Rock’n’Roll muss aber genau so sein – ganz einfach. Damit sich aus dieser niedrigen Kunstform etwas Gewaltiges entwickeln kann.

Auf der einen Seite zum Beispiel Sprachrohr einer ganzen Generation zu werden. Auf der anderen vielleicht in der Band eine Freundschaft fürs Leben finden, wie zwischen Matthew und dir. Ihr kennt euch, seit ihr Teenager wart. Gibt’s da eigentlich nie Streit?
Für uns ist es zu spät, um noch totale Egomanen zu werden. Außerdem halten wir uns gegenseitig ganz gut in Schach: Wir sind die besten Freunde, verstehen uns blind und hocken meistens zusammen. Okay, auf einer Tour, wenn ich lange nicht mehr zu Hause war, fühle ich mich schon mal gereizt. Dann nerve ich die anderen mit „fuck yous“, was sonst nicht meine Art ist.

Ihr habt die elf neuen Tracks von „Lucky“ in vielen verschiedenen Studios eingespielt. Warum das?
Wir wollten dem New Yorker Trubel entfliehen. Da warten zu viele Freunde, zu viele Drinks, zu lange Nächte. Wir sind Typen, die gerne fliehen, immer wenn ein Album schwierig wird. Dann sind wir sehr gerne abgelenkt.

Du zum Beispiel kochst sehr gerne.
Absolut.

Was haben die Jungs von der Band so an kulinarischen Wünschen?
Lass mich überlegen: viel Pasta, frische Meeresfrüchte, indische Cur-rys, Thai-Food – Hauptsache frisches, gutes Zeug. Denn nur wenn du gut zu dir bist, kannst du auch Gutes aus dir heraus tun, oder?

Waren die kulinarischen Leckereien Grund dafür, dass Musikerkollegen wie Ben Gibbard, Ed Harcourt und John Roderick (The Long Winters) vorbeischauten und dann gleich mit ins Studio gingen?
(lacht) So habe ich das noch gar nicht gesehen! Vielleicht. Ich denke, die hätten auch so mitgemacht. Mit ihnen hat sich eine Freundschaft entwickelt. Und es gibt neben dem gemeinsamen Musikmachen nichts Besseres als zusammen zu essen, oder? - Stefan Woldach

Nadasurf: Lucky, Cityslang (VÖ: 1.2.)

Live: 27.2., 20h, Live Music Hall, Karten unter www.koelnticket.de oder 0221-28 01