
Kleine Taschenlampe, brenn!
Horror-Action-Spiel für PC
Nachdem „Alan Wake“ (Remedy/Nordic Games) 2005 erstmalig angekündigt und 2010 zunächst nur als Xbox-360-Version veröffentlicht wurde, mussten die PC-Spieler noch rund zwei Jahre auf das Grusel-Actionspiel warten. Gleich zu Beginn findet sich der Spieler in einem Albtraum wieder. Der Schriftsteller Alan Wake erzählt von einer Nacht, in der er über eine Landstraße in den Bergen fährt und urplötzlich einen Passanten vor die Kühlerhaube bekommt. Der Unfall bleibt nicht ohne Folgen. Statt auf der Straße liegen zu bleiben, treibt das Unfallopfer forthin als beilschwingender Irrer sein Unwesen und in dieser Eigenschaft Alan Wake vor sich her. Hier bekommt der Gamer einen Vorgeschmack, was ihn im Spiel häufiger erwartet: der Kampf und die Flucht vor seltsamen, aggressiven Gestalten, die dem Helden an den Kragen wollen.

Doch dann erwacht Alan aus seinem Traum und man findet sich in Begleitung einer attraktiven Frau auf einer Autofähre wieder, die auf einem See durch eine wundervolle Berglandschaft auf die scheinbar idyllische Ortschaft Bright Falls zusteuert. Vor lauter Begeisterung über die tolle 360-Grad-Rundumsicht könnte man fast vergessen, dass die Freundin einen gerade dazu aufgefordert hat, doch bitte für ein Foto zu posieren. In Bright Falls angekommen, muss Alan in einem Diner’s Restaurant, das von ein paar schrägen Typen bevölkert ist, Schlüssel für ein Blockhaus besorgen. Um mit den Personen ins Gespräch zu kommen, muss man kein Dialogmenü benutzen – die Menschen beginnen die Konversation von selbst, wenn Alan in ihre Nähe kommt. Das erzeugt ein angenehm fließendes Spielgefühl. Dass Alan die Schlüssel nicht wie abgesprochen vom Tankstellenwärter erhält, sondern von einer schaurigen alten Dame, lässt ahnen, dass da noch einiges im Busch ist.

Schließlich geht die Fahrt im Auto weiter in eine verlassene Gegend zu einem See, wo auf einer Insel ein Blockhaus steht, in dem Alan sich mit seiner Frau Alice entspannen will. Alan leidet - nachdem er einen großen Erfolg mit einem Roman hatte -, seit zwei Jahren unter einer schlimmen Schreibblockade und will versuchen, den Kopf freizukriegen. Doch dann verschwindet seine Frau plötzlich spurlos und der Schreiberling fällt wieder in einen albtraumartigen Zustand. Das Spiel zieht seine Spannung vor allem aus einer nie wirklich greifbaren, sehr schemenhaften Bedrohung und der Frage, ob sich Alan in einer Art Wahnzustand alles nur einbildet. Was ist Realität, was Hirngespinst? Die unglaublich stimmungsvolle und latent bedrohliche Bergwelt von Bright Falls erinnert ein bisschen an die David-Lynch-Serie „Twin Peaks“, und nicht nur ein Zitat im Vorspann legt nahe, dass die Macher von Remedy in Stephen King eines ihrer Vorbilder sehen.

Wenn es dunkel wird, greifen wieder die finsteren Gestalten an, und langsam wird Alan klar, dass diese Gestalten aus dem Roman stammen, den er erst noch schreiben will. Überall in der Nachtwelt findet er Manuskriptseiten zu seinem eigentlich noch ungeschriebenen Werk „Departure“. Gegen die Angreifer hat Wake nur einen einzigen Verbündeten, das Licht. Im Licht kann er nicht angegriffen werden, denn die Gestalten meiden den hellen Schein. Und erst wenn der Held die Gegner mit seiner Taschenlampe anleuchtet, werden sie verwundbar. Den Rest erledigt er mit Revolver, Schrotflinte oder Leuchtpistole.

Wenn Alan keine Munition mehr hat, kann er nur noch die Beine in die Hand nehmen. Allerdings sind die Beil-Schwinger nicht gerade langsam und schließen zügig zum konditionell mangelhaft ausgestatteten Helden auf. Bevor man das rettende Licht erreicht hat, bekommt man dann schon mal den einen oder anderen Hieb auf den Hinterkopf. Netterweise hat aber irgendeine gute Seele an den verwunderlichsten Stellen Munition und vor allem Batterien für die Taschenlampe abgelegt. Es lohnt sich also, einen Blick in Truhen und Kästchen zu werfen. Hin und wieder zeigen leuchtende Markierungen den Weg zu einem Nachschub-Versteck.
Grafisch ist „Alan Wake“ ein Gemischtwarenhandel. Auf der einen Seite steht das extrem gut gelungene Design der Spielwelt mit einer gleichzeitig hübsch und geheimnisvoll wirkenden Bergwelt. Auf der anderen Seite stehen verschwommene Texturen und die teilweise etwas steife Animation der Figuren.

Zur mitreißenden Stimmung allerdings tragen eine außergewöhnlich gut erzählte Geschichte, die in sechs Kapitel gegliedert ist, glaubwürdige, wenn auch verschrobene Figuren und sehr gute Synchronsprecher bei. Von den drei Schwierigkeitsgraden ist der schwierigste, „Albtraum“ genannt, wirklich etwas für abgezockte Gamer. Wer mehr Wert auf Action als auf Story legt, kann auch den Arcade-Modus „Fight till Dawn“ wählen, in dem man als Alan Wake eine Nacht gegen eine Unzahl von Angriffen durchhalten muss und um einen Highscore spielt.
In der Limited Edition:
- Hauptspiel mit beiden DLCs „The Writer“ und „The Signal“, zusätzlich Audiokommentare und Hintergrundinfos von Remedy (Englisch) – können während des Spiels zugeschaltet werden.
- Bonus-Disk mit Soundtrack
- 2 weitere Bonus-Disks: Geschichte von Remedy, Making of „Alan Wake“, Making of a Thriller, Musikvideo “War” und “Poets of the Fall” der Old Gods of Asgard, diverse Trailer zum Spiel, Storyboard (mit Concept Art) als Filmclip OmU“
- Alan Wake Files”: 144 Seiten zusammengetragene Beweise zu den mysteriösen Vorfällen rund um Alan Wake, verfasst vom fiktiven Autor Clay Steward
- 6 Postkarten mit verschiedenen Motiven aus dem Spiel
- 7 Sticker mit verschiedenen Motiven aus dem Spiel
- 1 beidseitig bedrucktes A3-Poster
