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Jürgen Hesse, Geschäftsführer des Büro für Berufsstrategie, erklärt, worauf Hochschulabsolventen bei Bewerbungen besonders achten sollen.

Jürgen Hesse, Diplom-Psychologe und führender Experte auf dem Gebiet der Karriere- und Bewerberberatung, schreibt zusammen mit H. C.  Schrader seit 1985 Ratgeber – inzwischen in einer Auflage von über 6 Millionen.

Wenn man sich auf Ihrer Homepage umsieht, hat man den Eindruck, dass Sie für alles, was irgendetwas mit der Arbeitswelt zu tun hat, etwas Passendes parat haben. Gibt es einen Bereich, auf den Sie ganz besonders spezialisiert sind, oder ist es eben diese Bandbreite, die Ihr Unternehmen so erfolgreich macht?

Der Erfolg des Büros für Berufsstrategie beruht darauf, dass wir unsere Kunden durch ihr gesamtes Arbeitsleben begleiten und für eine arbeitnehmerorientierte Sicht stehen. Die Bewerbungsratgeber haben uns bekannt gemacht, aber seitdem haben wir uns - wie die Arbeitswelt - stetig weiterentwickelt. In Seminaren, individuellen Beratungen und unseren Ratgebern unterstützen wir unsere Kunden nicht nur beim Jobeinstieg, sondern auch bei der kontinuierlichen Weiterbildung.

Haben Sie spezielle Veranstaltungen, Seminare oder Bücher, die sich gezielt mit der Situation von Hochschulabsolventen beschäftigen?

Wir haben mehrere Bücher, die sich direkt an Hochschulabsolventen richten. Zum Beispiel: „Die perfekte Bewerbungsmappe für Hochschulabsolventen" oder auch „Assessment Center für Hochschulabsolventen". Darüber hinaus sind wir häufig auf Jobmessen vertreten oder gehen direkt an die Universitäten und beraten die Studenten vor Ort. Absolventen profitieren besonders von unseren Anschreiben- und Lebenslaufchecks, zur Vermeidung von Anfängerfehlern, sowie unseren Seminaren zu Soft Skills, wie „Selbstpräsentation", „Business Knigge", „Gekonnt kontern" oder „Gesprächsführung".

Die Situation für junge Akademiker ist auch in diesem Jahr nicht gerade rosig. Welche Vorgehensweise empfehlen Sie Jobsuchenden, wenn Sie nicht gleich mit der ersten Bewerbung erfolgreich sind?

Wichtig ist, sich nicht wahllos bei unzähligen Unternehmen zu bewerben. Bewerber sollten sich genau überlegen, in welcher Branche oder welchem Unternehmen sie arbeiten wollen und dort gezielt nach Stellenausschreibungen suchen. Kleiner Tipp: Nicht nur bei den großen Jobbörsen schauen, sondern auch die kleinen durchforsten. Die sind meist übersichtlicher, branchenbezogen und man hat weniger Mitbewerber. Teilweise schreiben Unternehmen ihre Stellen auch nur dort oder auf der eigenen Homepage aus, um so Massenbewerbungen vorzubeugen.

Was muss man außer guten Noten heutzutage noch alles mitbringen, um als Einsteiger eine Chance auf dem Arbeitsmarkt zu haben?

Praktische Erfahrungen. Aber aufgepasst, nicht die Anzahl der Praktika ist entscheidend, sondern deren Inhalte. Lieber ein, zwei Praktika weniger und dafür gezielt in dem Bereich, in dem sie später einmal tätig sein wollen. Ein wahlloses Sammeln zeugt eher von Unentschlossenheit und kann auch negativ ausgelegt werden.

Wie kann ich mich auf sogenannte Assessment Center vorbereiten? Und was halten Sie von solchen Bewerbungsverfahren?

Im Vorteil ist der, der weiß, worum es in einem AC geht. Unsere Bücher und Seminare beleuchten ganz konkret die einzelnen Aufgaben wie Postkorbübungen, Gruppendiskussionen, Seenotübungen, Selbstpräsentation sowie Stressinterviews und klären über deren Zweck und Hintergründe auf. Zusätzlich geben wir Lösungshilfen und Tipps zu den vielfältigen Tests und Übungen in ACs.

Kann man sich auf Intelligenztests vorbereiten? Und wenn ja, wie?

Bis zu einem gewissen Grad ja. Es gibt natürlich Standardaufgaben, um das logische Denken oder das Vorstellungsvermögen zu testen, die einem mit ein wenig Übung zumindest ein bisschen leichter von der Hand gehen. Man kann nicht alles können, aber Übung macht den Meister.

Was empfehlen Sie jungen Menschen, die schon am Beginn ihrer Karriere zu scheitern drohen und die nach 100 abgelehnten Bewerbungsschreiben aufgeben wollen?

In solchen Fällen unterstützen wir beratend. Häufig gilt es hier, Ziele zu definieren und strukturelle Fehler im Bewerbungsprozess zu beheben.

Können Sie grob skizzieren, wie eine optimale Verteilung von Fähigkeiten und sonstigen Kriterien aussieht, die einen zu einem erfolgversprechenden Kandidaten machen?

Das lässt sich so pauschal nicht sagen. Wichtig ist, worauf Personaler in welchem Stadium des Bewerbungsprozesses achten. Im Vorstellungsgespräch zum Beispiel ist die Persönlichkeit mit 70 % ausschlaggebend und lediglich zu 10 % die fachliche Kompetenz. Bei der schriftlichen Bewerbung hingegen ist es in etwa umgekehrt.

In einer kürzlich ausgestrahlten Sendung von „Hart aber fair" ging es um Sinn und Zweck von Schönheitsoperationen. Darin hieß es, dass sich immer mehr Männer aus Karrieregründen unters Messer legen. Glauben Sie, dass der Druck auf das äußere Erscheinungsbild immer größer wird und kleine oder größere Makel wegoperiert werden müssen? Und was hat das Ganze dann noch mit Qualifikation zu tun?

Das hat mit Qualifikation nichts zu tun. Wir sind nicht auf der Welt, um so zu sein, wie andere uns haben wollen, und müssen uns nicht jedem Diktat unterwerfen.

Es heißt immer, man soll sich auf seine Stärken konzentrieren und diese auch stärker ausbauen. Was aber mache ich mit meinen Schwächen?

Wir beraten unsere Kunden dahingehend, Jobs zu finden, in denen ihre vermeintlichen Schwächen keine Rolle spielen und ihre Stärken voll zur Geltung kommen.

Wo ist schummeln erlaubt und was darf man unter keinen Umständen unter den Tisch kehren?

Schummeln ist immer grenzwertig und sich zu verstellen fliegt früher oder später immer auf.

Interview: Irma Wagner

Auch in Köln bietet das Büro für Berufsstrategie Beratungen und Seminare zu den Schwerpunkten Bewerbung und Soft Skills an. Informationen unter www.berufsstrategie.de oder telefonisch unter 01805 - 28 82 00.

Unter Verlosungen gibt es 2 x das Buch „Die 100 wichtigsten Tipps für die Bewerbung" und 2 x „Praxisbuch Small Talk" zu gewinnen!