Franz Corneth, Geschäftsführer der RVG Rheinauhafen Verwaltungsgesellschaft, sprach mit uns über das Konzept, die Schwierigkeiten und die Chancen bei der Entwicklung des neuen Viertels im Rheinauhafen.

2002 starteten die Bauarbeiten am Rheinauhafen, mit denen das alte Hafengelände in ein neues urbanes Viertel umgestaltet werden sollte. Wird es dieses Jahr wie geplant fertig werden?

Nein, es wird im Jahr 2012 fertiggestellt sein

Was hat die Verzögerung verursacht?

Im Januar 2002 sollte der Bebauungsplan fertig sein. Das war er nicht, sondern erst im August. Bis dahin hatte sich aber der Immobilienmarkt drastisch geändert. Die Nachfrage nach Büroräumen war eingebrochen. Weil im Süden weniger Büroräume entstehen sollten, haben wir erst dort angefangen zu bauen statt wie geplant im Norden. Das hat zu einer Verzögerung geführt. Dann wurden die Bauarbeiten für das nördliche Kranhaus ein halbes Jahr zu spät begonnen. Warum kann ich leider nicht sagen.

Was war das Besondere bei der Planung und Gestaltung des Projektes?

Normalerweise werden bei einem solchen Großprojekt die einzelnen Grundstücke an verschiedene Eigentümer verkauft, die dann selbst für deren Erschließung sorgen. Hier gab es aber ein völlig neues Konzept: Der Grundstückseigentümer des gesamten Areals, die Häfen- und Güterverkehr Köln AG (HGK) hat die gesamte Erschließung in der Größenordnung von 1,1 Millionen vorfinanziert und am ersten Juli 2006 die RVG die Rheinauhafen Verwaltungsgesellschaft gegründet. Sie soll das Image des gesamten Viertels erhalten und übernimmt selbst die Erschließung. Dazu gehört der Bau der Schmutz- und Regenwasserkanäle, der Bau der Tiefgarage - die mit einer Länge von 1,56 km übriges Europas längste Tiefgarage ist, die Fernwärmeleitungen (im Überschwemmungsgebiet darf kein Öl bzw. Gas Verwendung finden), das Beleuchtungskonzept, die Pflasterung und die Möblierung der Außenfläche. Wir haben darauf geachtet, dass die Wege und Plätze einheitlich gestaltet sind. Der Rheinauhafen liegt im Überschwemmungsgebiet. Wir haben daher dafür gesorgt, dass er bis zu einem Wasserstand von 11,30 Metern, also dem Pegelstand bei einem sogenannten 100jährigen Hochwasser ver- und entsorgt ist.

Gab es ein Vorbild für das neue Viertel am Rheinauhafen, etwa der Düsseldorfer Hafen, die Hafencity in Hamburg oder die Londoner Docklands?

Nein, ganz im Gegenteil. Dieses Konzept ist auf den verschiedenen Immobilienmessen in Cannes und München mit einem solch großen Interesse aufgenommen worden, dass der Projektleiter der zweiten Baustufe der Londoner Docklands bei einem Besuch im Rheinauhafen erklärte, dieses Konzept in London ebenfalls umzusetzen.

KranEiner der alten Kräne am Kap am Südkai

Wie wurden die Entwürfe für dieses anspruchsvolle Projekt ausgewählt und auf was hatten die Architekten bei ihren Entwürfen zu achten?

Ein hochrangig besetzter Gestaltungsbeirat befand über die jeweiligen Architektenvorschläge der einzelnen Gebäude. Die gestalterischen Eckpunkte der Hochbauten waren zu einem die denkmalgeschützten Gebäude und zum anderen die drei Kranhäuser, die im Architektenwettbewerb 1992 den ersten Preis belegt hatten. Beides sollte in seiner Wirkung nicht beeinträchtigt werden.

Das Viertel ist im Bebauungsplan als Kerngebiet ausgewiesen, was die typische Vielfalt von Nutzungsmöglichkeiten in innerstädtischen Gebieten ermöglich. Zieht das Viertel ausreichend Kulturbetriebe, Gastronomie und Gewerbe an, um als ein lebendiges Innenstadtviertel wahrgenommen zu werden?

Der Bebauungsplan sah 25 % Wohnen zwingend vor. Der Rest konnte gewerblich genutzt werden. Im Ergebnis werden 31 %  der Nutzung Wohnen sein, 18 % Kunst und Kultur und der Rest Gewerbe einschließlich Gastronomie, also etwa 51 %.

Wie möchte man den Rheinauhafen, wo sich kaum Einzelhandel und nur wenige Gastronomiebetriebe angesiedelt haben, weiter beleben?

Schon heute ist der Rheinauhafen an sonnigen Tagen ab Mittag gut belebt, insbesondere am Wochenende. Dies wird sich nach Fertigstellung 2012 stark erhöhen. Die Rheinpromenade wird Ostern endgültig fertig sein, dann können Besucher hier ungestört durchgängig flaniern und Fahrrad fahren. Zudem werden weitere Gastronomiebetriebe im Rheinauhafen öffnen. Noch in diesem Jahr wird ein attraktives Restaurant hinzukommen.

Wird über Möglichkeiten diskutiert, die breite Rheinuferstraße, die den Rheinauhafen von der Südstadt trennt, verkehrstechnisch zu beruhigen, bzw. sie höher oder tiefer zu legen und so den Fußverkehr zum Rheinauhafen zu erleichtern?

Die Lichtsignalanlage wurde so geschaltet, dass die Fußgänger in einem Mal die Rheinuferstraße überqueren können. Dies wurde möglich durch den Bau der fünften Spur.

Welche Entwicklung wünschen Sie sich für das Viertel am Rheinauhafen in der Zukunft und wie möchten Sie diese Wünsche umsetzen?

Ich hoffe, dass das Viertel in Zukunft ein anerkannter Teil der Kölner Südstadt wird und sich in sie einfügt. Wir haben extra für den Rheinauhafen eine Website www.rheinauhafen-koeln.de konzipiert. Sie soll ein Dienstleistungsportal werden, wo die im Rheinauhafen Lebenden und Arbeitenden verschiedene Gewerbebetriebe finden, die bereit sind, Dinge im Rheinauhafen abzuholen und dorthin zu liefern, beispielweise Reinigungen oder Apotheker. Darüber hinaus soll es künftig mehr Angebote des täglichen Bedarfs geben. Ein Bäcker wird bald öffnen. Auch eine Supermarktfiliale ist geplant.  

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