Thomas KemmererThomas Kemmerer

„Schnell, schneller, EXPRESS" - seit 1996 gilt dieser Leitspruch mehr denn je. So lange gibt es nämlich schon express.de. Heute, 15 Jahre später, behauptet das Portal immer noch seine Marktführerposition. Wie man das schafft - und sich auch in Zukunft behaupten will - verriet uns Thomas Kemmerer. Als stellvertretender Chefredakteur EXPRESS ist er u.a. für die Online-Redaktion zuständig, für die er zuvor als Ressortleiter tätig war.

Sie kennen nun beide Seiten - den Print- und den Online-Journalismus. Welche Vor- bzw. Nachteile haben beide Bereiche?

Der große Vorteil des Online-Journalismus ist natürlich die Möglichkeit, enorm schnell auf Ereignisse und Entwicklungen zu reagieren, Geschichten auch mit Ton und bewegten Bildern zu transportieren.
Außerdem können wir aufgrund der technischen Möglichkeiten im Minutentakt sehen, welche Themen die Öffentlichkeit gerade besonders bewegen, können jederzeit direkt mit dem Leser kommunizieren. Da kann das gedruckte Medium einfach nicht mithalten. Umgekehrt ist die Zeitung eher in der Lage, die Dinge zu ordnen, aus mehr Distanz zum Ereignis zu betrachten und ausführlich auf bestimmte Fakten einzugehen.

express.de besteht seit nunmehr 15 Jahren. Wie hat sich das Portal in dieser Zeit verändert?

Da hat sich einiges getan! Das Medium Internet hat in diesen Jahren rasante Veränderungen durchgemacht - wir auch. Wir haben vieles ausprobiert und optimiert. Vom noch sehr von der Zeitung geprägten Auftritt zum interaktiven Online-Kanal Marke EXPRESS.

Printobjekte wurden von den Befürwortern der Onlinemedien schon oft totgesagt. Besonders junge Leser ziehen Zeitschriften im Internet, auf dem Handy oder als E-Paper den gedruckten Versionen vor, möchten dafür aber am liebsten nichts zahlen. Wie schätzen Sie die Zukunft von Print und Online ein?

Die heutige junge Generation ist schon mit dem Internet aufgewachsen. Das macht sich natürlich auch beim Umgang mit Medien bemerkbar. Unsere Leserstruktur zeigt ganz deutlich, dass das Express-Online-Portal vorwiegend von jüngeren Menschen genutzt wird. Gleichzeitig stellen wir aber fest, dass viele Leser die Print- und die Online-Ausgabe parallel nutzen, gewissermaßen als zwei sich ergänzende Komponenten. Die gedruckte Zeitung wird es auch in Zukunft geben. Man kann sie zum Beispiel in Ruhe durchblättern, sie verschafft einen kompakten Überblick über die Themen des Tages und kann optisch stärkere Akzente setzen - das sind Eigenschaften, die das Internet so nicht bietet.
Ein noch relativ neues und sehr spannendes Feld ist das mobile Internet. Da gilt es wiederum ganz neue Anforderungen zu meistern. Wir sind da bereits auf einem guten Weg: Die Schnelligkeit und Kompaktheit des mobilen Angebotes entspricht ja auch ganz unserem Leitspruch „Schnell, schneller, EXPRESS".

Beeinflussen sich die Printausgabe und das Online-Portal gegenseitig, bzw. wie eng arbeiten die Print- und die Online-Redakteure zusammen?

Die Online-Redaktion ist ein Teil der EXPRESS-Redaktion. Daher ist die Zusammenarbeit sehr eng: Bei aktuellen Ereignissen halten die Reporter aus dem Lokal- oder Sport-Ressort die Online-Redaktion und damit die Internet-Nutzer auf dem Laufenden. Umgekehrt kann die Online-Redaktion Hinweise auf aktuelle Ereignisse, Geschichten, Diskussionen und Trends geben, die gerade von hohem Interesse sind.

Wie gehen Sie vor, um sowohl im Print- als auch im Onlinebereich neue Leser zu werben?

Bei express.de haben wir einige Angebote, die speziell den jungen Medienkonsumenten ansprechen. Ein Beispiel sind populäre Fernsehformate wie etwa „Germany's Next Topmodel", zu denen wir regelmäßig Hintergrundinfos bringen. Dafür ist ein Online-Portal einfach das geeignetere Medium. Ebenso ist es uns natürlich ein Anliegen, mit unserer Printausgabe für den Lesernachwuchs interessant zu bleiben. Dafür haben wir z.B. seit einigen Jahren die erfolgreiche „X-Scout"-Aktion, bei der Hunderte Jugendliche mitmachen.

Wie stehen Sie dazu, „journalistische" Beiträge und Fotos von Lesern zu verwerten?

Dem stehen wir generell offen gegenüber. Gerade im Fotobereich haben wir schon einiges von unseren Lesern veröffentlicht - und auch entsprechend honoriert. In einer Zeit, in der jedermann jederzeit Fotos mit dem Handy knipsen kann, kommen wir dadurch ja auch an hochaktuelles Material. Somit hat die Einbindung unserer Leser für uns also einen durchaus positiven Effekt.

Heute wird Online-Journalismus schon als eigenes Studienfach gelehrt, vor wenigen Jahren steckte diese Sparte aber noch in den Kinderschuhen. Welche Veränderungen brachte die Einführung des Online-Journalismus für Ihren Berufsstand?

Man muss flexibler werden. Die wachsende Vielfalt der Kommunikationswege und -kanäle bewirkt, dass ein Journalist heutzutage einer viel größeren und enorm schnellen Informationsflut ausgesetzt ist als noch vor ein paar Jahren. Wichtig ist es dabei vor allem, die verschiedenen Kanäle und ihre Eigenschaften zu kennen.

Sicherlich haben Sie bzw. Ihre Kollegen sich beim Start von express.de auch ein paar langfristige Ziele gesetzt. Wenn Sie diese nun mit dem bisher Erreichten vergleichen, wie lautet Ihre Bilanz?

Ziel weit übertroffen! (lacht) Wir sind die erfolgreichste Nachrichtenplattform im Rheinland, sind, gemessen an den Besuchern, der größte Online-Auftritt einer regionalen Tageszeitung in Deutschland. Allein innerhalb der letzten zehn Jahre haben die Zugriffszahlen um über 800% zugelegt. Natürlich haben sich auch die Rahmenbedingungen in dieser Zeit positiv verändert: Immer mehr Menschen nutzen das Internet, haben schnelle Zugänge. Dazu kommen weitere Faktoren, etwa der verstärkte Einsatz von Online-Videos. Aktuell spielen das mobile Internet und Social Networks eine immer größere Rolle. All das war ja vor 15 Jahren so nicht vorauszusehen. Aber gerade solche Entwicklungen sind es, durch die unsere Arbeit auch in Zukunft spannend bleiben wird.

Im Herbst feiern Sie das 15-jährige Bestehen von Express.de. Wie wird gefeiert?

Wir starten dann ein 15-tägiges Jubiläumsspecial. Darin blicken wir noch einmal auf unterhaltsame Weise auf die vergangenen Jahre zurück. Ein paar Gewinnspiele wird es auch geben. Wir wollen schließlich nicht uns selbst beschenken, sondern unsere Leser!
Daniela Abels