Süßes oder Saures? (Foto: S. Spindler)Süßes oder Saures? (Foto: S. Spindler)

Mittlerweile gehört Halloween genauso fest in den rheinländischen Kalender wie Karneval und Kirchenfeste à la St. Martin oder Nikolaus. Statt Bützjer oder Besinnlichkeit beschert uns die Nacht vor Allerheiligen allerdings Grusel pur. Wo in Köln am 31. November die Knochen klappern, verrät Esther Meier.

Trick or Treat

Die Ursprünge des Festes gehen wahrscheinlich auf das keltische Fest „Samhaim“ zurück, an dem die heidnischen Druiden des gleichnamigen Todesfürsten gedachten. Im Laufe der Zeit wurde das Fest allerdings christianisiert und gelangte mit den katholischen irischen Einwanderern  im 19. Jahrhundert in die USA. Dort mauserte sich das einstige Folklorefest über die Jahre hinweg zu einem der wichtigsten und populärsten Happenings der USA. Da Süßes sammeln und Schabernack treiben aber nicht nur amerikanischen Kindern und Erwachsenen Spaß macht, konnte sich Halloween in ganz Europa ausbreiten. „Trick or Treat“ – „Süßes oder Saures“ brüllende Kinder sieht man in Deutschland allerdings nur vereinzelt, Grusel-Dekos, Schocker-Partys und Horror-Lesungen gibt’s aber jede Menge. 

Party-Schocker

Die Kölner Partyveranstalter zeigen sich auch dieses Jahr wieder von ihrer kreativen Seite und stylen  ihre Clubs in schaurige Spukhäuser um. In der Essigfabrik geht es beispielsweise besonders düster zu. Auf zwei Floors werden unter dem Motto „Manifest der schwarzen Begierde“ im passenden Ambiente Industrial-Body-Future-Pop und Elektro sowie New Wave, Alternative, Gothic und Indie-Rock aufgelegt. In der Druidenküche des Omega wird feinste Halloweenbowle gebraut, die neben Kölsch, Prosecco und Erdbeerlimes für einen Euro über die Grusel-Theke geht. Musikalisch hält hier Geisterjäger-Sound Vampire und Werwölfe ordentlich auf Trab. Schaurig und furchtbar wird im E-Werk ein „Bloody-Welcome-Drink“ for free gereicht und zu „Murder on the Dancefloor“ und ähnlichen Schlotter-Mixen abgehext. Ein etwas anderes Halloweenerlebnis wird im Alten Wartesaal geboten. Nunmehr seit sechs Jahren trifft sich dort auf der Queer-Halloween-Party von der Drag-Mumie über den Gay-Geist bis hin zur Vamp-Lesbe jeder, der Spaß an einem schrillen Fest hat. Wer hier bis 1 Uhr voll kostümiert aufläuft, darf einfach kostenfrei rein.

Ein weiteres Ekel-Spezial gibt es im Prime Club. Neben Blutsekt für gerade Mal eine Kröte werden auch Leckereien wie Eiter-, Ekel- und Schlammbowle in der Schreckenshölle auf der Luxemburger Straße gereicht. Hexen, Zombies und Kürbisköpfe zahlen nur die halbe Miete.

Orte des Schreckens

Die eigentlich recht idyllische Burg Satzvey verwandelt sich an Halloween in eine wahre Horrorburg, was den Mut der Besucher auf die Probe stellt. Selbst Hartgesottene bekommen im „Labyrinth des Schreckens“ weiche Knie. Live-Musik, Gruseleffekte, Feuershows und Lichtperformance ziehen hier die Burgbewohner in den Bann. Und zum atemlosen Abschluss treffen sich alle Freaks in den Burbonensälen der stattlichen Anlage und tanzen sich die Angst vom Leib. Nicht ohne Grund wird Minderjährigen der Einlass nur in Begleitung eines Erziehungsberechtigten gewährt. Schlaflose Nächte bereitet auch die „Nacht der lesenden Toten“ im unterirdischen Gravitationsraum des Ehrenfelder Güterbahnhofs. Alexander Bach, Armin Bings, Jonas Jahn und Lothar Tolksdorf unterhalten das passionierte Publikum mit makabren Geschichten aus der Schattenwelt, Parodien auf Klassiker des Horror-Genres sowie Erzählungen von Video Nasties und traumatischen Jugenderinnerungen. Im Anschluss gibt es eine Party mit DJ El Maximo Leader, bei der gefeiert wird, bis anderntags hoffentlich die Sonne aufgeht.

„O horrible! Most horrible!“ Hinter diesem Ausspruch verbirgt sich eine Lesung kombiniert mit einem schmackhaften dreigängigen Menü im Café Goldmund. Frank Meyer bringt die Gäste mit Poe und Co. zum Schaudern, und der Koch verführt mit  Rote-Bete-Dracula-Suppe, Kürbisgulasch vom Rind und Brownie à la Romero. Karten (34 €) gibt es nur im Vorverkauf.

Grusel im Zoo

Pfui Spinne!

Wem Elektro-Mucke und Eiterpickel zu heftig sind, wer sich aber trotzdem in Gruselstimmung versetzen  lassen will, der sollte den Gang in den gespenstisch dekorierten Zoo wagen. Brennende Kerzen und ausgehöhlte Kürbisse beleuchten ab 18 Uhr das tierische Zuhause. Jung und Alt können in der Dämmerung umherstreifen Erdmännchen oder Paviane beobachten oder in die offenen Tierhäuser gehen. Im Kloster wartet die Eulenhexe auf Wissensdurstige und verrät mystische Geheimnisse über das Leben der lautlosen Vögel, und auf der Muschel-Bühne faszinieren die Cologne Artists. Das Aquarium lässt es sich natürlich auch nicht nehmen, die Nacht der Toten mit Schabernack zu füllen. Neben Insekten zum Anfassen wird dieses Jahr wieder das begehrte Schabenrennen stattfinden. Außerdem werden  Gruselgeschichten zum Besten gegeben, und die Begegnung mit Furcht einflößenden Figuren wird versprochen. In magischen Tunneln werden alle Sinne angesprochen, eine kleine Geisterbahn lässt mutige Herzen in die Hose rutschen, und im Schein des großen Hexenfeuers sehen selbst bekannte Gesichter aus wie Teufelsfratzen. Außerdem zeigt das Kölner Figurentheater einen Auszug aus „Ritter Rost und das Gespenst“ in der Tropenhalle. Eine nächtliche Tierfütterung ist natürlich Pflicht. Der Eintritt kostet an der Abendkasse 14,50 Euro und im Vorverkauf inkl. VRS-Fahrausweis 16 Euro.

Halloween in Zoo und Flora
31.10., 18-22h
Karten unter www.koelnticket.de oder Tel.: 0221-28 01