Aschermittwoch. Die Konfetti-Reste kleben noch auf dem Bürgersteig, die Stimme klingt wie Reibeisen und offiziell heißt es jetzt: Verzicht auf Kölsch. Ausgerechnet jetzt bringt Gaffel ein neues Bier mit 5,8 % Alkohol heraus, also Mehr als klassisches Kölsch. Zufall? Kaum.
Warum ein stärkeres Bier, wenn in den Karnevalshochburgen traditionell gefastet wird? Die Antwort ist kirchlich abgesichert.
Schon im 16. Jahrhundert hatten Mönche eine bemerkenswert lebensnahe Auslegung der Fastenzeit. Ihr Leitsatz: „Flüssiges bricht Fasten nicht.“ Eine theologische Feinjustierung, die bis heute nachhallt. Strenge Speiseregeln? Kein Problem. Dann eben ein nahrhafteres, stärkeres Bier. Satt werden, ohne offiziell zu essen.
Besonders findig waren die Mönche des Paulaner-Ordens südöstlich von München. Sie brauten ein kräftiges Fastenbier, tauften es ehrfürchtig „Sankt Vater“. Im Volksmund wurde daraus „Salvator“. Der Rest ist Braugeschichte.
Und nun also Gaffel. Ein obergäriges Fastenbier mit 5,8 %. Positionierung: „Kraft mit überraschender Drinkability.“ Man könnte auch sagen: ein moderner Beitrag zur theologischen Debatte. Mehr Substanz, mehr Körper, mehr Geschmack und flüssig.
Fot: Ben Hammer
L1013657-Gaffel-Fastenbier-2025-©Ben-Hammer
Während also offiziell auf Kölsch verzichtet wird, steht da plötzlich ein Krug, das historisch bestens begründet ist. Wer wollte sich schon mit jahrhundertealter Klostertradition anlegen? Fasten kann so kraftvoll sein. Und so erstaunlich trinkbar.
Mehr zum Thema: https://frisch-verzapft.de/2026/02/23/fasten-und-bier-ein-widerspruch/
Fot: Promo
Michael Busemann ist zertifizierter Biersommelier und hat sich der wunderbaren Welt der Biere verschrieben. Bier, so sein Credo, ist mehr als ein Genussmittel, das vielen schmeckt und viel Freude bereitet. Es ist auch ein Kulturgetränk, das älteste, um genau zu sein. In vielen Ländern und Regionen hat Bier eine lange Tradition und ist tief in der Kultur und Geschichte verwurzelt. Sorten wie Kölsch erzählen ihre eigene Geschichte und spiegeln die lokalen Gepflogenheiten und Traditionen wider. Michael Busemann hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese Vielfalt zu entdecken und anderen zugänglich zu machen. Er führt Verkostungen durch und teilt sein Wissen in seinem Blog https://www.frisch-verzapft.de/.
Ihr findet Koelner.de auch auf Facebook, Twitter und Instagram! Schaut doch mal rein!