Pass op, pass op, Prinzessin …: Das Kölner Philippinenkrokodil-Weibchen „Pangalawa“ – abgekürzt „Pangi“ – ist in den Zoo von Melbourne, Australien, gezogen. Nicht etwa, weil sie dem rheinischen Karneval entfliehen will, sondern für den Artenschutz. Denn „Pangi“ soll bald mit Melbournes 27-jährigen Philippinenkrokodil-Mann „Luzon“, dessen Weibchen vor einiger Zeit verstorben ist, für Nachwuchs sorgen. Ziel ist der Erhalt dieser hochbedrohten Art, von der es laut Experten-Schätzung nur noch rund 100 wildlebende Tiere gibt. Auch in Zoos ist diese Art so rar, sodass jede Anstrengung zählt – koordiniert und über alle Kontinente hinweg.
„Pangi“ kam am 14. Juli 2013 im Kölner Zoo zur Welt. Sie war erst das zweite jemals in Europa geschlüpfte Philippinenkrokodil, woher auch der Name „Pangalawa“ („die Zweite“) seinen Ursprung hat. Seit Januar 2026 hat sie nun ihre dauerhafte, eigene Regenwaldhaltung in Melbourne. „Pangi“ hat den Transport nach Down Under gut überstanden und gewöhnt sich nun in aller Ruhe an die neue Umgebung. Bis sie mit dem schwereren und erfahreneren „Luzon“ erstmals zusammenkommt, wird es noch etwas dauern. „Pangi“ muss dafür noch an Gewicht und Selbstvertrauen zulegen. Das Team um Kölns Aquariumskurator Prof. Dr. Thomas Ziegler, der auch das Erhaltungsprogramm für Philippinenkrokodile (Crocodylus mindorensis) in Europa leitet, ist zuversichtlich: „Wir gehen fest davon aus, dass „Pangi“ und „Luzon“ schon bald ihrem Auftrag im Sinne der Arterhaltung erfolgreich nachkommen werden und in Australien für Nachwuchs sorgen.“
Insgesamt fünf Jahre an Vorbereitungszeit hat es gedauert, bis „Pangi“ die Flugreise an das andere Ende der Erde antreten konnte. Zum Vorlauf zählten z.B. Training mit Futterbelohnung zur Gewöhnung an die Transportkiste und vorhergehende Untersuchungen, Austausch von Know-how zwischen den Zoos in Köln und Melbourne und die Erledigung der aufwendigen Einreise- und Zollbestimmungen. Zum Team des Kölner Zoos, das dies alles erledigte, zählen neben Ziegler auch Transferkoordinator Bernd Marcordes, Anna Rauhaus, Reviertierpflegerin im Kölner Terrarium, und Tierärztin Dr. Sandra Marcordes. Ein spezieller Dank geht zudem an die Firma „Animal Logistics“, die auch diesen anspruchsvollen Transfer sicher meisterte.
Im Kölner Zoo sind insgesamt bereits elf Nachzuchten bei den vom Aussterben bedrohten Philippinenkrokodilen gelungen. Zuletzt war dies 2024 der Fall. Den damals geschlüpften Tieren, sie heißen „Bagani“ und „Marikit“, geht es sehr gut. Auch sie sollen auf Reisen gehen. Geplant ist, dass die beiden zu einem späteren Zeitpunkt in das Ursprungsgebiet dieser Art, die Philippinen, rückgeführt werden, um dort die Naturbestände zu stärken und überlebensfähig zu halten. Das Kölner Terrariums-Team hat dies bereits mit fünf Artgenossen erfolgreich praktiziert. Das ist ein Paradebeispiel für den sogenannten „One Plan Approach“, bei dem Zoos zusammen mit anderen Akteuren das gesamte ABC des Artenschutzes durchdeklinieren – von A wie Aufzucht bis Z wie Zurückführen in die Ursprungsgebiete.
Reverse the Red-Day – volle Power für den Arterhalt
Dass gemeinschaftliches Handeln wirkt, zeigt auch der „Reverse the Red“-Tag, der jährlich am 7. Februar begangen wird und Teil der „Reverse the Red“-Initiative ist. Ihr Ziel ist, den Status von Arten auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion (IUCN) für bedrohte Spezies zu verbessern – also z.B. von „stark gefährdet“ auf „gefährdet“ oder von „gefährdet zu „nicht mehr gefährdet“. „Reverse the Red“ bringt dafür eine vielfältige Koalition von Partnern zusammen, um zu kooperieren, Synergien zu schaffen und die Öffentlichkeit zu sensibilisieren.
Zoos und Aquarien haben sich ebenso wie Botanische Gärten, Forschungsinstitute, wissenschaftliche Netzwerke, Regierungen, Stammesregierungen und indigene Völker diesem Ziel verpflichtet. Zoos tragen beispielsweise in den Feldern Zucht, Haltung, Rettung und Auswilderung, Veterinärmedizin, Genetik-management, Bildung oder Fundraising zur Rettung von Arten bei. Ohne die Arbeit von Zoos wären nachweislich bereits rd. 200 Arten ausgestorben.