Die Bregenzer Produktion von Regisseur Jan Philipp Gloger, die im Juni als letzte Interims-Produktion ins Kölner Staatenhaus kommt, deutet insbesondere die traditionelle, von Rossini vorgesehene Hosenrolle radikal um: Die Titelrolle Tancredi wird nicht als Mann, sondern tatsächlich als Frau gelesen. Das Werk wandelt sich so zu der Geschichte einer heimlichen Liebesbeziehung mit der des Hochverrats verdächtigten Amenaide. Die weiblichen Hauptrollen übernehmen Adriana Bastidas-Gamboa aus dem Opernensemble und Giuliana Gianfaldoni, die ihr Hausdebüt gibt.
Glogers Team verlegt die Rahmenhandlung in ein von Machismo, Katholizismus und Gewalt geprägtes Drogenkartell eines namenlosen südlichen Landes. Die verfeindeten Ritterschaften werden zu rivalisierenden Clans, die sich gegen die Polizei verbünden. In einem solchen Milieu gibt es für ein lesbisches Liebesverhältnis kein Verständnis, und so muss sich Tancredi kurzerhand als Mann ausgeben. Das naturalistische Bühnenbild von Ben Baur zeigt die Villa des Barons Argirio mit Kokaindepot und Folterkammer und macht die Ausweglosigkeit der Figuren auch visuell greifbar.
Mit viel Drive treibt die Musik die Handlung vor sich her – in Köln dirigiert von George Petrou.