Den notwendigen Wandel des Fahrschulwesens fest im Blick gründete der Kölner Digitalpionier Boris Polenske 2016 die 123fahrschule Holding GmbH und brachte sie vor vier Jahren als 123fahrschule SE an die Börse. Eine Kombination aus erlaubtem Online-Theorieunterricht, Fahrsimulator-Nutzung, frischen Lernkonzepten mit KI-Unterstützung und kompaktem Zeitplan könnte den Führerschein um 1000 Euro günstiger machen, davon ist Polenske überzeugt.
Wie eine digital getriebene Fahrschule in Zukunft aussehen kann, zeigt neben den bestehenden sieben Kölner Filialen jetzt auch der neue Flagship-Store nahe des Kölner Heumarkts, Kleine Sandkaul 5.
Zukünftig zügig, günstig und angstfrei fahren lernen
Verknüpfen Fahrschulen Theorieunterricht, reale Fahrstunden sowie Fahrpraxis im Simulator eng und personenbezogen miteinander, lernen und verstehen Schülerinnen und Schüler zügig und angstfrei. Szenarien zu Themen wir Fahrbahn wechseln oder Einparken entwickeln die Teams aus Fahrlehrern und Entwicklern gemeinsam. Das Programm unterscheidet dabei nach Erfahrungslevel der Lernenden – Anfänger erleben andere Verkehrssituationen als Fortgeschrittene. Der finanzielle Benefit ist beträchtlich, denn angemeldete Fahrschüler können die Simulatoren zeitlich uneingeschränkt für ihre Ausbildung nutzen.
Die praktische Ausbildung am Simulator wird, sobald der Gesetzgeber dafür den Weg frei macht, die Fahrschulausbildung verändern. Hier können Schüler beispielsweise das Schalten lernen oder sich in geschützter Umgebung an Nachtfahrten gewöhnen.
Foto: 123fahrschule SE
Boris Polenske
Die von der ganzen Branche herbeigesehnte Novelle ist nicht weniger als die Voraussetzung , um Fahrschüler schneller und kostengünstiger auszubilden. In Verbindung mit KI-Lösungen, die Lernfortschritte individuell auswerten, können Fahrschulen die Ausbildung dann stärker automatisieren und digitalisieren. Das wird Lernzeiten bei den Schülern deutlich reduzieren.
Nach der Novelle zur Fahrausbildung: die Zukunft der Fahrschule
„Bei unserem aktuellen Fahrlehrermangel können wir in Deutschland den Markt nicht mehr ohne Fahrsimulatoren bedienen“, so Polenske. „Wir brauchen ein zukunftstragendes genormtes Fahrschulmodell, bei dem die Kosten für Familien auch tragbar sind. Wenn 2026 die Novelle der Fahrschulausbildung greift, wird unser digital getriebenes Programm in der Lage sein, Führerscheinkosten um bis zu 1.000 Euro zu senken.
Fahrsimulatoren: keine Spielerei, sondern Mehrwert für die Fahrschulausbildung
Die vom BMV geplante Novelle der Fahrschulausbildung soll Kompetenzstandards, einen verbindlichen Lehrrahmen sowie digitale Ausbildungsformen gesetzlich verankern. Neben Online-Unterricht spielt Simulatornutzung bei der Digitalisierung die Hauptrolle. Und damit starten Diskussionen. Werden Fahrschüler aufs spielerische Abstellgleis geschoben, weil Fahrlehrer fehlen? Lassen wir Fahranfänger damit ungenügend geschult und unbedarft auf die Straßen?
Kai Foerst, Gründer von Foerst Simulators und Pionier der Branche, räumt mit Vorurteilen auf. Als Technologiepartner der 123fahrschule erläutert er Funktionen, praktischen Nutzen und Mehrwert moderner Fahrsimulatoren.
Mythos 1: Wie auf der Rennstrecke
Entgegen der landläufigen Meinung haben Fahrsimulatoren und Rennspiele wenig gemein: Während Rennsimulationen auf Geschwindigkeit und Spielspaß ausgelegt sind, folgen Fahrsimulatoren einem pädagogischen Konzept. Sie dienen der realitätsnahen Verkehrsausbildung und sind auf Schulung, nicht auf Unterhaltung ausgelegt.
Bei den Funktionen bedeutet das unter anderem, dass der Fahrsimulator ein Sichtfeld von mindestens 180 Grad abbildet, um Schulterblick und Spiegelkontrolle zu ermöglichen. Ein Rennsimulator kommt meist nur auf 90 Grad, was für die Sicht nach vorne ausreicht. Darüber hinaus verfügen Fahrsimulatoren über realistische Bedienelemente wie Blinker, Pedale und Kupplung.
Auch Bewegungselemente gehören zur technischen Ausstattung: Vibrationen im Sitz, Körperschallmodule und bewegliche Sitzuntersätze, sogenannte „Seat Mover“, sorgen etwa beim Kuppeln für haptisches Feedback. So wird beispielsweise der Schleifpunkt realitätsnah spürbar, was im Rennspiel keine Rolle spielt, für die Führerscheinausbildung aber schon. Gerade das Erlernen der Schaltkompetenz übernehmen zunehmend Simulatoren, weil immer mehr Fahrschulen auf Elektrofahrzeuge umstellen. Sie vermitteln den Umgang mit Kupplung und Gangschaltung unabhängig vom Fahrzeug.
Ein weiterer technischer Unterschied betrifft die Erfassung von Blickrichtungen: Foerst Simulators arbeitet mit einer Kamera- und Ultraschall-Sensorik, die erkennt, ob der Fahrschüler den Schulterblick gemacht oder in den Spiegel geschaut hat. Das bedeutet ein hohes Maß an Automatisierung, bei der ein virtuelles Fahrlehrer-System übernimmt, Fahrfehler bewertet und durch die Übungen navigiert.
Darüber hinaus simuliert das System typische Verkehrssituationen: Ampelkreuzungen, Kreisverkehre, Autobahnfahrten, Nachtfahrten oder schwierige Wetterbedingungen wie Regen, Nebel und Schnee. Der Nutzen zeigt sich bei Nachtfahrten deutlich. Sonderfahrten bei Nacht sind gesetzlich vorgeschrieben, bringen jedoch insbesondere in den Sommermonaten organisatorische Nachteile mit sich. Im Simulator lassen sich Nacht- und Dämmerungssituationen sowie Gefahrenszenarien wie plötzliche Wildwechsel und unbeleuchtete Hindernisse gefahrlos darstellen und üben. Ohne didaktische Nachteile könnten
drei Fahrstunden auf der Straße entfallen. Schüler erleben am Simulator zudem mehr kritische Situationen in kurzer Zeit als während einer nächtlichen Überlandfahrt.
Mythos 2: Fahrschüler werden sich selbst überlassen
Der pädagogische Ansatz und ein didaktisch fundiertes Lernsystem bilden das Herzstück der Simulator-Übungen. Während ein Fahrlehrer in der realen Welt Rückmeldung gibt, übernimmt diese Rolle hier ein „virtueller Lehrer“. Er leitet die Fahrschüler mit klaren, gesprochenen Anweisungen durch konkrete Aufgaben. Am Ende jeder Übung folgt eine detaillierte Bewertung und ein Score, der anzeigt, wie gut der Schüler die Übung absolviert hat. Wiederholungen sind jederzeit möglich – eine Funktion, die besonders für weniger erfahrene oder ängstliche Lernende sinnvoll ist.
Dabei orientiert sich der Simulator eng an den Ausbildungsinhalten, wie sie von der Ausbilderdiagrammkarte vorgegeben werden, und integriert neue Regelungen oder Anforderungen.
Über ein Online-Portal buchen Schüler ihre Fahrstunden, verwalten Zeiten und sehen Fortschritte ein. Weil auch die Fahrlehrer Zugriff haben, entsteht ein geschlossenes, digitales Ausbildungssystem. Der Simulator erkennt den Schüler beim Einloggen und weiß automatisch, an welcher Stelle der Lernpfad fortgesetzt werden soll. So wie im Fitnessstudio die Geräte wissen, welcher Widerstand beim letzten Mal eingestellt war, erkennt der Fahrsimulator den individuellen Lernstand inklusive typischer Fehler wie vergessenem Schulterblick oder falsch gesetztem Blinker.
„Es geht nicht darum, den Führerschein komplett am Simulator zu erwerben“, stellt Boris Polenske, Gründer 123fahrschule, richtig. „Die gesetzlich vorgeschriebenen Pflichtstunden auf der Straße bleiben bestehen. Der Simulator ergänzt und hilft, besser vorbereitet in die echte Fahrstunde zu gehen. So kann der Fahrlehrer seine Zeit effizienter nutzen, etwa für komplexere Situationen im Stadtverkehr, während der Simulator die Grundlagen wie Anfahren oder das Finden des Schleifpunkts übernimmt.“