Der Kölner Zoo am 22. Juli 2025 seinen 165. Geburtstag. Am selben Tag im Jahr 1860 öffnete der älteste Zoo NRWs erstmals für Gäste. Hendrik Wüst, Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen, besuchte heute aus diesem Anlass den Zoo der Domstadt und gratulierte im Rahmen einer Feierstunde. Diese war verbunden mit dem Richtfest für die neue Giraffenanlage, die der Zoo im Sommer 2026 als eines der aktuell größten Innovationsprojekte eröffnen wird. Neben Hendrik Wüst sprachen bei der Feierstunde auch Dr. Ralf Heinen, Bürgermeister der Stadt Köln, sowie Prof. Theo B. Pagel und Christopher Landsberg, Vorstände des Kölner Zoos.
Prof. Theo B. Pagel: „Ich danke Ihnen, Herr Ministerpräsident, sehr herzlich, dass Sie heute als Gast unserer Jubiläumsfeier die Wertschätzung für die Arbeit des Kölner Zoos wie auch für Zoos allgemein zum Ausdruck bringen. Zoos sind heute moderne Naturschutzzentren. Sie bieten den Menschen Erholung, Unterhaltung und jede Menge Wissen über Tiere und deren Lebensräume – spielerisch und mit Spaß vermittelt, ohne erhobenen Zeigefinger. Gäbe es keinen Zoo, man müsste ihn erfinden!“ Christopher Landsberg: „Wir sind mit unseren Angeboten für Menschen aller Bevölkerungsschichten und aller Altersklassen da. Unseren Etat decken wir zu rd. 85 Prozent selbst – u. a. durch Spenden und Erbschaften, für die wir sehr dankbar sind, wie auch durch Erträge aus unserem Gastronomie- und Souvenirgeschäft. Diese Quote schafft keine andere öffentliche Institution in der Region. Zusätzlich können wir auf die Unterstützung der Stadt Köln, unserer Mehrheitsaktionärin, zählen. Sie steht uns treu zur Seite, wofür wir heute ebenfalls Danke sagen.“
Ministerpräsident Hendrik Wüst: „Wissenschaftlich geführte Zoologische Gärten wie der Kölner Zoo verbinden Freizeit und Erholung mit Bildung und Forschung. Der Kölner Zoo ist der älteste und größte Zoo in Nordrhein-Westfalen. Seine Forschungsprojekte sind weit über unsere Landesgrenze hinaus bekannt und leisten einen wichtigen Beitrag für das Bewusstsein für den Natur- und Artenschutz – vor unserer Haustür und weltweit. Herzlichen Glückwunsch zum 165-jährigen Jubiläum.“
Dr. Ralf Heinen betonte in seiner Rede die Bedeutung des Kölner Zoos weit über die Stadtgrenzen hinaus. „Der Zoo hat seinen festen Platz im Herzen der Kölnerinnen und Kölner. Als grüne Tieroase mitten in der Stadt steht er für Freizeit und Erholung genauso wie für Spaß und Unterhaltung. Er ist wichtiger Akteur von Umweltbildungs- und Artenschutzprojekten weltweit und daher auch international top vernetzt in mehr als 30 Ländern“, so Heinen. „Wie gut der Ruf des Zoos und wie geschätzt seine Expertise ist, zeigt, dass die Weltnaturschutzunion 2024 zusammen mit dem Zoo ein Artenschutzzentrum gegründet hat. Ich wünsche dem Zoo, dass er auf all diesen Erfolgswegen mutig weitergeht!“
Der Zoo – ein vielseitiger Publikumsmagnet: Mehr hat nur der Dom!
Der Kölner Zoo wurde am 22. Juli 1860 eröffnet – nach nur 309 Tagen Bauzeit und mit 5,8 ha Fläche, die damals noch weit vor den Toren der Stadt lag. Zu den ersten Bauten zählten Häuser für Hundeartige, Pfauen, Antilopen, Giraffen und Elefanten. Es waren Tiere, die die Menschen am Rhein noch nie gesehen haben und den Zoo schon bald zum Publikumsmagneten einer ganzen Region machten. Das ist er mit seinen modernen Tierhäusern, Parkanlagen und vielen Sonderveranstaltungen bis heute so geblieben. Im Jahr 2025 ist der Zoo Heimat für 11.000 Tiere aus über 750 Arten – damit ist er einer der artenreichsten in ganz Europa. Er vereint Tradition mit Innovationskraft und verbindet Freizeit und Erholung mit Wissenschaft und Forschung. Der Kölner Zoo setzt auch international immer wieder Maßstäbe – z.B. beim Bau moderner Tierhäuser oder bei seinem umfangreichen Artenschutzengagement. All das wird von den Menschen belohnt. 2024 konnte der Kölner Zoo 1,2 Mio. Gäste begrüßen – mehr hat in Köln nur der Dom.
Gute Aussichten – für Giraffen und Gäste
Die Feierstunde zum 165. verknüpften die Zoo-Verantwortlichen mit dem Richtfest für die neue Giraffenanlage, die bis Sommer 2026 für brutto knapp 6 Mio. Euro entsteht. Das frühere Gehege für Giraffen, das aus den 60er Jahren stammt, wurde dafür komplett entkernt und zurückgebaut. Das Bauvorhaben steht stellvertretend dafür, wie sich der Zoo immer wieder zeitgemäß modernisiert und aus „Alt“ „Neu“ werden lässt. Durch einen Anbau und neue Raumaufteilungen wird der Innenbereich der Kölner Giraffenhaltung auf fast 400 m2 anwachsen – und damit fast doppelt so groß. Dadurch bieten sich viele neue Möglichkeiten für ein noch verhaltensgerechteres Management der größten Landsäuger der Erde. So z.B. durch mehr Bewegungsfreiheit, variable Innenfutterkörbe in „Giraffenhöhe“ sowie den Einbau einer Trainingswand zur Tierbeschäftigung und einer Waage für regelmäßige Gewichts-Check-ups. Auch der Außenbereich wächst um nahezu das Doppelte der Fläche. „Think Big“ für die größten Landsäuger, also!
Was für die Tiere gilt, gilt auch für die Zoogäste: so entsteht u. a. eine neue Aussichtsplattform, auf der man Giraffen zukünftig „Auge in Auge“ begegnet und zu bestimmten Zeiten sogar auch mitfüttern kann. Das neue Edukationskonzept für Jung und Alt sorgt für spannende Aha-Momente rund um die afrikanischen Riesen. Zudem wird die gesamte Technik des in den 60er Jahren erbauten Kölner Giraffenhauses auf neuesten Stand gebracht und energetisch optimiert. Dazu zählt der Anschluss an die Fernwärme, die Errichtung einer Photovoltaikanlage und ein Gründach. Darunter werden sich nicht nur Giraffenköpfe tummeln. Denn zu den riesigen Giraffen ziehen erstmals auch Nacktmulle, also sehr kleine Tiere, in eine neue Anlage im Innenbereich ein. Ihre künftigen Nachbarn, die in Zoos nur sehr selten gehaltenen madagassischen Ringelschwanzmungos, erhalten ebenfalls neue Innen- und Außengehege.
Foto: Kölner Zoo
Luftaufnahme des Kölner Zoos aus dem Jahr 1960
Die Geschichte des Kölner Zoos: Mer wulle dolle Dierche han en Kölle!
Als alles begann – also am 22. Juli 1860, dem Tag seiner Eröffnung nach nur zehnmonatiger Bauzeit – lag der Kölner Zoo vor den Toren der Stadt. Kappesfelder umgaben die Außenmauern. In ihnen lag ein 5,8 ha großes Gelände mit Park- und Tieranlagen im Stil der Zeit. Apropos Stil: Wer als Stadt Mitte des 19. Jahrhunderts etwas auf sich hielt, baute nicht nur Oper, Theater oder Botanischen Garten. Sondern auch einen Zoo. Frankfurt und Berlin hatten es in Deutschland vorgemacht. Reiche Kölner Bürger sorgten als Kapitalgeber unter der Führung von Dr. Caspar Garthe dafür, dass auch am Rhein bald exotische Tiere Heimat fanden. Die unter Heinrich Bodinus, dem Gründungs-Direktor, gezeigten Tiere konnten sich schnell sehen lassen: Schon 1863 brüteten Nandus. Ein Jahr später zog der erste Elefant ein. Auf Giraffen, Wildhunde, Antilopen, Pfaue und Strauße folgte 1872 ein Panzernashorn mit dem wohlklingenden Namen „Schöne Marie“ – „Leev Marie“, das 2020 zum 160. Geburtstag im Zoo geborene Elefantenmädchen steht also in guter Tradition.
Der Zoo wurde rasch zum beliebten Ausflugsziel. 8 Taler kostete die Premierenjahreskarte für ganze Familien. Eine stolze Summe für die damalige Zeit. Dem Zuspruch tat dies keinen Abbruch. 1864 zählte man bereits 179.771 Gäste. Ein Plus von 27.967 gegenüber dem Vorjahr. Schnell wurde klar: Der Zoo ist ein Erfolgsmodell – der Zoo muss sich vergrößern. Immer mehr Anlagen für immer mehr Tiere entstanden. 1882 konnte das Zoo-Areal durch Geländezukauf um 1,7 Hektar vergrößert werden. Im Dezember 1882 wurde der neue Bereich mit Rinderhäusern, einem kleinen Weiher und dem bis heute existierenden Seelöwenfelsen eröffnet. Unter Dr. Ludwig Wunderlich – ab 1888 für 40 (!) Jahre Zoodirektor – eröffnete 1899 das Vogelhaus, heute „Arnulf- und-Elizabeth-Reichert-Haus“, im Stil einer russischen Kathedrale. Im selben Tempo machte sich der Zoo international einen Namen mit spektakulären Nachzuchten. Der Zoologische Garten der Domstadt war da angekommen, wo er bis heute rangiert: in Liga 1 der Zoos weltweit. Untermauert wurde dies durch weitere Tieranlagen: auf einem zugekauften 1,8 Hektar-Areal entstanden u.a. Eisbärenklippen und ein Affenfelsen, bei dem Primaten nach Hagenbeckschem Vorbild nur durch Wassergräben von den Besuchern getrennt wurden. Man kennt ihn heute noch als Heimat der Mantelpaviane.
Schwere Zick – der Zoo in Trümmern
Kurze Zeit nach seiner Eröffnung brach der 1. Weltkrieg aus. Zwar waren die Gästezahlen überwältigend. Die Menschen suchten Ablenkung und fanden sie im Zoo. Doch brachte die mit dem Krieg einhergehende Mangelwirtschaft den Zoo an den Rand des Zusammenbruchs. Fehlende Futtermittel sorgten dafür, dass der Tierbestand auf ein Viertel der Vorkriegszeit zurückging. Ab 1924 erholte sich der Zoo. Doch Massenarbeitslosigkeit und die unsichere politische Lage führten den Zoo, nun unter Leitung von Dr. Friedrich Hauchecorne, immer wieder in finanzielle Schwierigkeiten. Schließlich wurde die Stadt das, was sie bis heute ist: Mehrheitsaktionärin.
Der Ausbruch des 2. Weltkrieges fiel nahezu zusammen mit dem Dienstantritt von Zoodirektor Dr. Werner Zahn. Erneut fehlten Futtermittel. Die über Köln abgeworfenen Bomben taten ihr Übriges. 1944 musste der Zoo den Betrieb einstellen. 1945 lag er, ebenso wie Köln, in Trümmern. Schon bald wurde der Neuaufbau gestartet. Zu Pfingsten 1947 war Wiederöffnung. Nach und nach konnte der Tierbestand erweitert werden. Nach und nach zählten wieder Löwen, Schimpansen oder Kamele zu den Attraktionen. Nach Zahns Tod übernahm Dr. Wilhelm Windecker 1952 die Leitung. Dank der prallen Wirtschaftswunder-Zeiten konnte er eine Ära prägen. Er realisierte die Reparatur historischer Anlagen – so z.B. Seelöwenfelsen und Südamerikahaus – und trieb Neubauvorhaben voran. Die Vision für die künftige Zooentwicklung mündete im Idealplan von 1957. Köln erholte sich. Auch der Zoo profitierte vom Wohlstand. Er wuchs beträchtlich, da ihm das Gebiet der ehemaligen Radrennbahn, heute u.a. Elefantenpark, zugeschlagen wurde. Zudem entstanden bis in die 70er Jahre viele neue Attraktionen: von der Giraffenanlage über Pinguin- und Eisbärengehege bis zum Madagaskarhaus. Beton war in – und der Zoo war es auch. Die Gästezahlen kannten nur eine Richtung: nach oben! Den baulichen Schlussstein setzte 1971 das hochmoderne Aquarium – bis heute eine wahre Artenschatzkammer für Forschung, Lehre und den Erhalt hochseltener Tiere.
Mir sinn Naturschutzzentrum – Sprung in die Moderne
Neuerungen der 80er, 90er und Nuller-Jahre Jahre waren u.a. das Urwaldhaus für Menschenaffen, das Tropenhaus sowie den 2 Hektar großen Elefantenpark, der in Größe und Haltungsstandards weltweit Maßstäbe gesetzt hat. Das Thema Artenschutz gewann enorm an Bedeutung. So war die alte Zooschule Ort der entscheidenden Tagung, bei der die internationalen Zoos die Erhaltungszuchtprogramme aus der Taufe hoben – ein Meilenstein für die Zoowelt und ein großer Fortschritt für die Artenschutzanstrengungen.
Seit 2007 führt erstmals ein Duo die Geschicke. Prof. Theo B. Pagel als Zoodirektor und Chef alles Biologischen sowie Christopher Landsberg, Kaufmännischer Vorstand und Herr der Zahlen. Ihre Ideale der künftigen Zooentwicklung haben sie in einem ehrgeizigen Masterplan gebündelt. Daraus konnten bereits zahlreiche Vorhaben umgesetzt werden. So wurde 2010 zum 150-jährigen Zoojubiläum der Hippodom, die Nachbildung einer afrikanischen Flusslandschaft mit Nilkrokodilen und Flusspferden eröffnet. 2014 folgte der Clemenshof-Streichelzoo samt Deutschlands größter Zooschule, 2020 die modernisierten Anlagen für Löwen und Tiger und 2021 das kernsanierte „Arnulf-und-Elizabeth-Reichert-Haus“ als begehbare Dschungellandschaft mit frei sich bewegenden Säugetieren und Vögeln Mittel- und Südamerikas. Nach der Fertigstellung der Nashornanlage 2023 stehen nun Giraffenbereich und Tropenhaus auf dem Modernisierungsplan. Auch in anderen Feldern machen Pagel und Landsberg mit ihren Ideen den Zoo fit für die Zukunft. So wurden Zoo Shop und Zoo Gastronomie zu eigenständigen GmbHs umgebaut. Ihre Gewinne führen die Tochterunternehmen zu 100 Prozent an den Zoo ab, der diese Gelder zum Beispiel in das immer breiter werdende Artenschutz-Programm mit Forschungs- und Erhaltungszucht-Initiativen investiert. Der Zoo ist heute ein beliebter Freizeit- und Erholungsort für das gesamte Rheinland, ein angesehenes Zentrum für Bildung und Forschung auf Top-Niveau sowie bedeutender Treiber bei einer der wichtigsten Zukunftsaufgaben: der Bewahrung der natürlichen Biodiversität.