Eine besondere Rarität gibt es derzeit im Madagaskarhaus des Kölner Zoo zu bestaunen – und das gleich doppelt in dreifacher Ausführung: Im Juni und im August wurden hier zweimal Drillinge bei den Goodman-Mausmakis geboren. Im Freiland des Ursprungsgebiets auf der afrikanischen Insel Madagaskar bekommt diese Tierart gewöhnlich nur einmal im Jahr Nachwuchs. In der Regel handelt es sich dabei auch nur um ein oder zwei Jungtiere. Umso erstaunlicher sind die zwei Dreierpacks, die im Madagaskarhaus des Kölner Zoos zur Welt gekommen sind.
Die Tiere sind noch nicht geschlechtsbestimmt, da sie noch scheu sind. Dementsprechend hat der Nachwuchs auch noch keinen Namen. Eltern sind der neunjährige „Connor“ und die sechsjährige „Shannon“. Goodman-Mausmakis sind in Deutschland sonst nur noch im Zoo Berlin zu sehen.
Mausmakis zählen zu den Lemuren. Heimatgebiet ist Madagaskar. Sie kommen nur dort vor. Die nachtaktiven Goodman-Mausmakis wurden 2005 wissenschaftlich erstbeschrieben. Sie zählen zu den kleinsten und seltensten Primaten der Erde. Zwar ist ihr Verbreitungsgebiet geschützt, doch setzt die rapide Zerstörung der Naturräume im bitterarmen Madagaskar auch den Goodman-Makis stark zu. Die einmalige Flora und Fauna des vor Afrika liegenden Inselstaats steht durch Abholzung, Bejagung und die Auswirkungen des Klimawandels massiv unter Druck.
Goodman-Mausmakis erreichen einen Kopf-Rumpf-Umfang von 9 Zentimetern. Ihr Gewicht kann bis 64 Gramm betragen. Das Fell ist an der Oberseite rotbraun bis orange-bräunlich gefärbt. Der Bauch ist weißlich. Der Schwanz ist rotbraun gefärbt. Zwischen den vergleichsweisen sehr großen Augen befindet sich ein auffallend heller Nasenrücken.
Ihr Lebensraum sind tropische Regenwälder Madagaskars. Mausmakis sind Allesfresser, die sich meist von Früchten und Insekten ernähren. Sie sind nachtaktiv. Damit die Gäste die wuseligen Hingucker dennoch sehen können, zeigt der Kölner Zoo sie in einem abgedunkelten Nachttierbereich. Er hat den Tag-Nacht-Rhythmus der Bewohner dafür umgestellt, sodass sich die Tiere ab 9.30 Uhr beobachten lassen.
Madagaskar ist einer der weltweiten Hotspots der Artenvielfalt. 90 Prozent der Wirbeltiere, die auf der Insel leben, sind nur hier zu finden. Dieser Artenschatz ist massiv bedroht. Grund ist vor allem der Lebensraumverlust durch Abholzung und Brandrodung für die lokale Landwirtschaft oder kommerzielle Plantagen. Hinzukommen die immer stärker spürbaren Auswirkungen des Klimawandels, die die Insel besonders heftig betreffen, sowie die Bejagung von Tieren durch die bitterarme, oft hungernde madagassische Bevölkerung.
Artenschutz, der ankommt: Der Kölner Zoo setzt sich nachhaltig für die Bewahrung der madagassischen Artenvielfalt ein:
- In seinem Madagaskarhaus hält, züchtet und erforscht der Kölner Zoo hochbedrohte Tiere dieser Insel – so neben den werden dort auch Tenrek-, Frosch- oder Geckoarten gehalten.
- Im Aquarium betreibt der Kölner Zoo Erhaltungszuchtprogramme für hochbedrohte madagassische Tierarten, darunter das Grüne Marmorkrötchen oder der Mangarahara-Buntbarsch. Letzterer zählt zu den seltentesten Fischen der Erde. Den Kölner Aquariums-Experten gelang erstmals die Nachzucht. Auf dieser Basis konnte inzwischen Nachwuchs an andere Zoos in Deutschland und Europa abgegeben werden, um weitere Reservepopulationen aufzubauen.
- Der Kölner Zoo ist Mitglied der „Madagaskar Fauna & Flora Group“. In diesem Zusammenschluss sitzen Experten renommierter Zoos, Botanischer Gärten, Repräsentanten der madagassischen Regierung sowie Vertreter von Naturschutzbehörden und ortsansässigen NGOs, um gemeinsam Schutzkonzepte für die madagassische Flora und Fauna zu entwickeln und umzusetzen.
- Mit dem Projektpartner „Tropical Biodiversity Social Enterprise“ im Süden Madagaskars hat der Kölner Zoo eine Forschungsstation sowie ein Informations- und Trainingszentrum aufgebaut und unterstützt Ranger-Patrouillen, die den Wald schützen. Gleichzeitig wurden auch die Mausmaki-Populationen vor Ort untersucht.
Wer das Engagement des Kölner Zoos für Flora und Fauna Madagaskars unterstützen will, kann hier spenden: foerdern.koelnerzoo.de/spenden/artenschutz/schutz-der-flora-und-fauna-auf-madagaskars