„Kibo“ und „Mara“ – so heißt das Ostafrikanische Kronenkranichpaar, das im Kölner Zoo zu sehen ist. Der Zoo hat für die elegant gekrönte Kranichart mit dem namensgebenden Kopfgefieder eigens einen neuen Stall im Hippodom gebaut. Dort lebt das Paar zusammen mit Flusspferden, Perlhühnern und Sitatunga-Antilopen – also Tieren, die sie auch aus ihrem ostafrikanischen Ursprungsgebiet kennen.
Männchen „Kibo“ – benannt nach dem höchsten Punkt Afrikas als Teil des Kilimandscharo-Massivs – schlüpfte 2019 im Vogelpark Walsrode. Weibchen „Mara, die nach dem kenianischen Serengeti-Gebiet Massai Mara benannt ist, schlüpfte 2025 – ebenfalls in Walsrode. Beide zogen im April 2026 nach Köln. Nach erfolgreicher Quarantäne und behutsamer Eingewöhnung hinter den Kulissen sind sie auch für Gäste zu sehen. „Kibo“ und „Mara“ leben ausgesprochen harmonisch zusammen. Das lässt die Tierpflegerinnen und Tierpfleger voller Zuversicht darauf hoffen, dass sich bald Nachwuchs bei dieser stark bedrohten Kranichart einstellen wird.
Glücksbringer in Not
Kronenkraniche erreichen eine imposante Flügelspannweite von zwei Metern und leben in zwei Arten und mehreren Unterarten südlich der Sahara in Afrika. Als Glücksboten und Wächter über die Gesundheit der Menschen und des Viehs werden sie in vielen Kulturen der Sahelzone verehrt. In Uganda ziert der Ostafrikanische Kronenkranich als Wappentier die Nationalflagge und gilt als Symbol für Fortschritt und Frieden, in Ruanda und Burundi steht er für Glück und Reichtum. Als besonders talentierte Heuschreckenjäger helfen Kronenkraniche, die Entstehung riesiger Wanderheuschreckenschwärme, die ganze Ernten vernichten können, einzudämmen. Vogelbeobachter aus aller Welt reisen nach Afrika, um diesen prächtigen Vogel in seinem natürlichen Lebensraum zu erleben. Nicht zuletzt trägt der Kronenkranich dadurch zum Einkommen vieler afrikanischer Familien bei.
Besonders diese charismatische Kranichart ist jedoch durch Lebensraumverlust, die Zerstörung von Feuchtgebieten und menschliche Eingriffe in ihre natürlichen Lebensräume gefährdet. Auch der verstärkte Einsatz von Chemikalien in der Landwirtschaft, die Kollision mit Stromleitungen und die direkte Nachstellung durch den Menschen zum Verzehr von Fleisch und Eiern oder zur Haltung als Dekoobjekte in Haus- oder Hotelgärten tragen dazu bei, dass die Kronenkranichbestände in vielen Regionen Afrikas seit Jahren zurückgehen. Die Zahl der Kronenkraniche nahm etwa in Ostafrika in den vergangenen 40 Jahren um 80 Prozent ab. In Tansania, gut drei Mal so groß wie Deutschland, leben nur noch ca. 2.000 Vögel.
Der Kronenkranich ist „Zootier des Jahres“
Kronenkraniche stehen daher 2026 im Mittelpunkt der bundesweiten „Zootier des Jahres“-Kampagne. Sie wird als Gemeinschaftsinitiative von der Zoologischen Gesellschaft für Arten- und Populationsschutz e.V. (ZGAP), der Gemeinschaft der Zooförderer e.V. (GdZ), der Deutschen Tierpark-Gesellschaft e.V. (DTG) und dem Verband der Zoologischen Gärten e.V. (VdZ) durchgeführt. Auch der Kölner Zoo ist als Platinförderer beteiligt und hofft, bald zusätzlich auch einen Erhaltungszucht-Erfolg mit Nachwuchs bei „Kibo“ und „Mara“ verkünden zu können.
Gemeinsam mit afrikanischen Projektpartnern will die Artenschutz-Kampagne den wenig im Fokus stehenden Kronichkranichen eine Lobby geben und nachhaltige Schutzprojekte in Tansania und Kenia umsetzen.
- Schutzprojekt Tansania: Das Projektteam von „Nature Tanzania“ arbeitet mit lokalen Gemeinden zusammen, um nachhaltige Schutzmaßnahmen zu entwickeln. Durch Naturschutzbildung und einer nachhaltigeren Landwirtschaft mit der Reduzierung von Agrochemikalien sowie dem Schutz und der Neuanpflanzung von Schlafbäumen sollen die Lebensbedingungen von Kranichen verbessert werden.
- Schutzprojekt Kenia: Das Projektteam „Cranes Conservation Volunteers“ bemüht sich seit zehn Jahren um den Erhalt der Grauen Kronenkraniche und konnte deren Bestandszahlen im Projektgebiet bereits erhöhen. Nun soll ihre Arbeit in Zentralkenia ausgeweitet werden, wofür ein Netzwerk von Freiwilligen aufgebaut wird. Zunächst sollen 20 Kranichschützende ausgebildet und ausgestattet werden.