Sportliche Rekorde und Titel standen bei der Premiere von KONNECTIKA nicht im Mittelpunkt. Stattdessen ging es um Erfahrungen, die im öffentlichen Bild des Leistungssports häufig wenig Raum erhalten: psychische Belastungen, die Suche nach einer neuen Identität nach dem Karriereende, ungleiche Voraussetzungen für Frauen und die wachsende Bedeutung digitaler Reichweite. Olympiamedaillengewinner Nelvie Tiafack und RHYSE Global brachten dazu im Heising & Adelmann Menschen aus Sport, Wirtschaft, Medien, Marken und der Creator-Welt zusammen.
Wenn Leistung den Selbstwert bestimmt
Die ehemalige Spitzenfechterin Léa Krüger berichtete davon, wie eng sie ihren persönlichen Wert während ihrer Karriere an sportliche Ergebnisse geknüpft hatte. Negative Gefühle habe sie lange verdrängt, später entwickelte sie eine Essstörung. Heute ist Krüger Vizepräsidentin von Athleten Deutschland und hat mit „Mehr als Muskeln“ einen Raum geschaffen, in dem Sportlerinnen und Sportler offen über psychische Belastungen sprechen können.
Diese Offenheit sei im Leistungssport weiterhin mit Risiken verbunden. Wer mentale Probleme öffentlich mache, müsse mitunter um seinen Platz im Team, seine sportliche Perspektive und seine finanzielle Sicherheit fürchten. Krügers Forderung fiel entsprechend klar aus: „Der Kopf muss genauso gepflegt werden wie der Körper.“
Ein neues Leben nach dem letzten Spiel
Benedikt Höwedes nahm einen anderen Übergang in den Blick. Der Fußball-Weltmeister von 2014 schilderte, wie abrupt die Aufmerksamkeit nach dem Ende einer Profikarriere verschwinden kann. Viele Athleten hätten seit ihrer Jugend nahezu alles dem Sport untergeordnet und stünden anschließend vor der Frage, welche Rolle sie außerhalb ihres bisherigen Umfelds einnehmen können.
Mit seiner Agentur „Matchpoint“ möchte Höwedes Aktive deshalb frühzeitig mit Unternehmen und Fachleuten vernetzen. Kontakte und berufliche Möglichkeiten sollen nicht erst dann entstehen, wenn das letzte Spiel bereits absolviert ist. Hinter diesem Ansatz steht eine Frage, die Höwedes selbst formulierte: „Wer bin ich denn überhaupt außerhalb des Sports?“
Weniger Chancen trotz sportlicher Leistung
Mit Mathilda Paatz saß zugleich eine Athletin auf dem Podium, deren internationale Laufbahn gerade beginnt. Die 18-jährige Kölner Rennfahrerin bestreitet 2026 ihre erste vollständige Saison in der F1 Academy und gehört zur Aston Martin Aramco Driver Academy. Sie berichtete von Teams und Sponsoren, die männlichen Talenten den nächsten Entwicklungsschritt eher zutrauten.
Im Motorsport wirken sich solche Entscheidungen unmittelbar aus. Weniger Testtage bedeuten weniger Fahrpraxis – und damit schlechtere Voraussetzungen im Wettbewerb. Hinzu kommt die Bedeutung sozialer Medien. Paatz schilderte, dass potenzielle Sponsoren mitunter stärker auf ihre Followerzahl als auf Rennergebnisse blickten. Ihre zugespitzte Erfahrung: „Unter 30.000 Follower, auf Wiedersehen. Wo ich mir denke: Entschuldigung, aber ich habe doch gerade gewonnen.“
Aus dem Publikum griff Gewichtheber und Olympiasieger Matthias Steiner das Thema auf. Eine erfolgreiche Frau im Motorsport könne nicht nur sportlich überzeugen, sondern auch zu einer wichtigen Identifikationsfigur und Botschafterin für die gesamte Branche werden.
Neue Geschichten für den Sport
Dass sich Sportarten heute anders präsentieren müssen, machte Florian Winter deutlich. Der Boxpromoter und Gründer von Ringside Zone verwies auf den Erfolg von MMA und neuen Sport-Entertainment-Formaten. Mit „Who’s Next“ will er den Boxsport stärker mit digitaler Kultur, Unterhaltung und jüngeren Zielgruppen verbinden.
Anschließend öffnete sich die Diskussion für das Publikum. Voltigier-Welt- und Europameisterin Mona Pavetic fragte nach Sichtbarkeit für Athleten aus weniger medial beachteten Sportarten. Eine junge Sportjournalistin sprach über den Druck, neben der journalistischen Arbeit selbst zur Marke werden zu müssen. NASCAR-Fahrerin Vanessa Neumann schilderte ebenfalls, wie schwer es sei, die für ihre weitere Laufbahn notwendige Aufmerksamkeit zu erhalten.
Aus diesen Beiträgen entstanden noch während der Veranstaltung neue Gespräche und Kontakte. Damit wurde der Abend selbst zum Beispiel für die Idee hinter KONNECTIKA: Menschen aus unterschiedlichen Bereichen des Sports miteinander und mit möglichen Partnern aus Wirtschaft, Medien und Markenwelt zu verbinden. Das von Nelvie Tiafack und RHYSE Global entwickelte Format soll künftig wiederkehren. Welche Kooperationen aus der Premiere hervorgehen, entscheidet sich nun außerhalb des Podiums – in den Gesprächen, die in Köln begonnen haben.