Im Madagaskarhaus des Kölner Zoos leben seit kurzem zwei neue Mongozmakis. Sie heißen „Tongay“ und „Aster“ und sind männlich. Beide stammen aus dem Lumigny Safari Reserve in Frankreich – „Tongay“ wurde im Jahr 2012 geboren, „Aster“ 2005. Ziel ist es, zusammen mit dem seit 2023 in Köln lebenden, fast achtjährigen Weibchen „Emena“ für Nachwuchs bei diesen vom Aussterben bedrohten madagassischen Primaten zu sorgen.
„Emenas“ bisheriger Partner, der 29-jährige „Newton“, ist anscheinend schon zu alt für Fortpflanzungsaktivitäten. Der Kölner Zoo hofft, mit den beiden neuen Männchen frischen Schwung in die Mongozmakis-Haltung zu bringen. Der Zoo hatte beide Tiere Ende Februar aus Frankreich an den Rhein geholt. Die Eingewöhnung hat bislang gut geklappt. Im weiteren Verlauf wird sich zeigen, ob „Emena“ eher mit dem jüngeren „Tongay“ oder dem erfahrenen „Aster“ harmoniert und für Nachwuchs bereit ist. Auch bei Primaten zählt dabei der Nasen- und Wohlfühlfaktor.
Zoo-Kuratorin Dr. Johanna Rode-White und Tierpfleger Michael Kaiser haben die Tiere eigenhändig aus Frankreich abgeholt. Sie stecken gemeinsam mit dem gesamten Team viel Zeit und Expertise in die Eingewöhnung und Neuzusammenstellung der Mongozmakis-Gruppe. Für zusätzliche Unterstützung sorgt ein Student, der für seine Bachelorarbeit an der Universität zu Köln das Verhalten der Gruppe beobachtet. Die Anstrengungen sind notwendig, da die Art wie so viele andere Tiere Madagaskars auch leider stark vom Aussterben bedroht ist.
Mongozmakis (Eulemur mongoz) sind eine Primatenart aus der Familie der Lemuren. Sie kommen in trockenen Laubwäldern im Norden Madagaskars vor und haben sich zudem auf den Komoren eingebürgert. Sie sind tag- und nachtaktiv und leben in der Regel in kleinen Familienverbänden. Ihre Nahrung besteht aus Früchten, Blüten, Nektar und Blättern. Gelegentlich werden auch Insekten gefressen. Die Kopf-Schwanz-Länge beträgt bis zu 83 cm, das Gewicht variiert zwischen 1,1 und 1,6 kg.
Männchen und Weibchen unterscheiden sich deutlich. Männchen haben ein grau-braunes Rückenfell, eine dunkle Schwanzspitze, einen rötlich-braunen Nacken und Bart sowie eine graue Schnauze. Weibchen weisen ein helleres Rückenfell, ein cremefarbenes Bauchfell und einen weißen Bart zur Unterscheidung auf. Die Tiere können in Menschenobhut bis zu 35 Jahre alt werden.
Stark engagiert für stark bedrohte Arten – Zoos handeln!
Die Weltnaturschutzunion IUCN stuft Mongozmakis in der madagassischen Wildnis als „vom Aussterben bedroht“ ein. Gründe sind Lebensraumzerstörung, z.B. für Landwirtschaft oder Holzkohleproduktion, sowie Bejagung durch die bitterarme Bevölkerung des vor Ostafrika gelegenen Inselstaats. Leider ist die Tierwelt Madagaskars insgesamt stark gefährdet. Dies ist umso tragischer, da sehr viele Tiere der Insel endemisch sind, d.h. nur auf Madagaskar vorkommen.
Der Kölner Zoo engagiert sich im Verbund mit anderen Zoos und Forschungseinrichtungen im Rahmen der „Madagascar Flora and Fauna Group“ seit Jahren massiv für den Erhalt dieser einzigartigen Habitate. Informationen zu diesem Engagement und den Schutzprojekten unter www.madagascarfaunaflora.org/.
Schutz in Zoos und Schutz vor Ort – beides gehört zusammen
Der Zoo schiebt zahlreiche Schutzmaßnahmen an – zum einen im Zoo selbst, zum anderen vor Ort in Madagaskar.
In Köln zählen dazu z.B.
- Erhaltungszuchtprogramme bei hochseltenen madagassischen Fischen und Vögeln, die für Reservepopulationen für spätere Rückführungen aufgebaut werden sowie Fundraising- und Umweltbildungsprojekte. Zudem laufen wissenschaftliche Studien, z.B. zum Ernährungs- oder Fortpflanzungsverhalten. Damit lässt sich besser verstehen, was wir für den Schutz bedrohter Tierarten machen müssen.
Vor Ort, auf Madagaskar, ist der Kölner Zoo ebenfalls aktiv. Die verantwortliche Zoo-Kuratorin, Dr. Johanna Rode-White, bereiste die Insel bereits mehrmals, um Schutzvorhaben zu unterstützen. Auf dieser Basis fördert der Kölner Zoo mehrere konkrete Projekte:
- Er finanziert die Forschungsstation „Manitatra“ und das Trainings- und Informationszentrum LAFA im Süden Madagaskars als Teil von Wiederaufforstungsarbeiten. Zudem finanziert der Kölner Zoo lokale Ranger, die die verbliebenen und die aufgeforsteten Gebiete schützen. Partner dabei ist die Organisation „Tropical Biodiversity Social Enterprise“.