Doppelte Frühsommer-Fohlen-Freuden im Kölner Zoo: Im Mai kamen hier zwei männliche Przewalskipferde zur Welt. Hengst „Vincent“ wurde am 25. Mai, Geschlechtsgenosse „Viggo“ drei Tage später geboren. Die Mütter heißen „Luca“ und „Luna“. Vater „Vandan“ lebt inzwischen im Zoo Karlsruhe. Die Kölner Herde umfasst nun insgesamt sechs Tiere.
Die kraftvollen Przewalskipferde sind auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion als „endangered“ (stark gefährdet) gelistet. Zoos sind schon lange für den Erhalt dieser Wildpferdeart aktiv. Voran gingen die Biologinnen und Biologen des Kölner Zoos, die Pionierarbeit als „Artenretter“ leisteten. Mehr als 30 Jahre managten sie das Erhaltungsprogramm für die Przewalskipferde. Sie koordinierten u.a., dass neue Bestände im riesigen Reservat Hortobagy in der ungarischen Puszta sowie komplett frei umherziehende Wildbestände in der Mongolei und in China aufgebaut werden konnten.
Aus Köln nach Kasachstan
Vergangene Woche hat der Prager Zoo vier Przewalskipferde im Altyn Dala Nationalpark in Zentralkasachstan erfolgreich ausgewildert. Der Zoo in Tschechiens Hauptstadt hat vor einigen Jahren die Leitung des Przewalskipferd-Rettungsprogramms übernommen. Umso erfreulicher: Unter den erfolgreich ausgewilderten Pferden ist auch der im Kölner Zoo geborene Junghengst „Victor“, den der Zoo der Domstadt 2025 genau für dieses Ziel zur Außenstelle des Zoos Prag gebracht hatte.
Noch in dieser Woche machen sich außerdem Wildpferde aus dem Tierpark Berlin auf den Weg. Derzeit sind sie noch in der Quarantäne- und Vorbereitungsstation. In wenigen Tagen werden sie in speziell entwickelten Transportkisten per Flugzeug nach Kasachstan gebracht. Begleitet wird der Transport von erfahrenen Tierärztinnen, Tierpflegern und Biologinnen der beteiligten Einrichtungen.
Zoos – gebündelt für den Artenschutz
Przewalskipferde sind das Paradebeispiel für die Rettung eines Wildtieres, das ohne den Einsatz von Zoos nicht überlebt hätte. Bereits 1969 war diese Art im natürlichen Verbreitungsgebiet, den Trockensteppen der Mongolei und Chinas, ausgestorben. Seit 1992 existieren die von Köln aus angeschobenen Wiederansiedlungsprojekte in verschiedenen Steppenlandschaften Chinas, der Mongolei, Ungarns und Kasachstans.
Alle gehen auf in Menschenobhut gezüchtete Tiere zurück. Der Populationstrend wächst insgesamt wieder. Experten gehen derzeit von 180 in der Wildnis lebenden Przewalskipferd-Paaren aus. Auch im ungarischen Nationalpark Hortobagy ziehen die Przewalskipferde frei umher. Seit 28 Jahren unterstützt der Kölner Zoo das Schutzprojekt in Ungarn je nach Bedarf mit Tieren zur Auswilderung, Geld oder biologischem Know-how.
Zur Biologie der Przewalskipferde
In der Wildbahn verlassen beide Geschlechter die Geburtsgruppe im Alter von ein bis zwei Jahren. Junghengste und von stärkeren Konkurrenten abgelöste Haremshengste bilden Junggesellengruppen. Darüber hinaus kommen auch einzeln lebende Hengste vor. Im Alter von fünf bis sieben Jahren versuchen sie, eine Stute im Kampf mit Haremshengsten zu übernehmen oder aber mit umherziehenden Jungstuten eine neue Gruppe zu bilden. Die Streifgebiete der Gruppen überlappen sich, es werden keine Territorien verteidigt. Wesentliche Bestandteile dieser Streifgebiete sind ausreichend Grasnahrung und permanente Wasserstellen. Auch im Rahmen des EEPs werden Junghengste nach ein bis zwei Jahren in einer Hengstgruppe untergebracht, wo sie im Kampfspiel die geschlechtstypischen Verhaltensweisen einüben können. Jungstuten werden vielfach ebenfalls für einige Jahre in Stutenherden untergebracht.