Für rund fünf Wochen tauschte die Henneferin Lisa Halm ihr Büro bei der Kreissparkasse Köln am Neumarkt mit dem der Deutschen Sparkassenstiftung für internationale Kooperation e.V. (DSIK) in der mongolischen Hauptstadt Ulaanbaatar. Ziel der DSIK ist es, den Sparkassengedanken über regionale Grenzen hinaus in die Welt zu tragen. Auf diese Weise soll Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern ein besserer Zugang zu Finanzdienstleistungen ermöglicht werden.
„Der Empfang im DSIK-Team war sehr herzlich“, berichtet Lisa Halm. „Überhaupt sind die Mongolen sehr gastfreundlich. Mit der Sprache gab es auch keine Probleme: Die meisten aus dem Team haben in Deutschland studiert und sprechen Deutsch und Englisch. Und außerhalb des Büros reichten Englisch und bei Bedarf auch mal eine Übersetzungs-App aus.“ Ohne lange Einarbeitungszeit konnte Lisa Halm direkt bei der Projektarbeit einsteigen und das Team unterstützen.
Ein Ziel des Projekts ist es herauszufinden, inwieweit das deutsche Bausparkassensystem für die Mongolei adaptierbar ist. Aktuell stellt sich die Wohnsituation in der Mongolei wie folgt dar: Es gibt nur wenige Städte, das Land ist dünn besiedelt. Traditionell leben die Menschen nomadisch, doch besonders junge Menschen zieht es in die Stadt. Dort ist der Wohnraum begrenzt, am Stadtrand bilden sich sogenannte Ger-Viertel, in denen die Bewohner:innen durch die noch sehr präsente nomadische Wohnform zum Großteil in Jurten („Ger“, traditionelle Rundzelte) leben und in der Regel nur einen sehr begrenzten Zugang zur städtischen Infrastruktur haben.
„Die Situation in den Ger-Vierteln ist problematisch“, berichtet Lisa Halm. „Aufgrund der Heizöfen besteht im Winter eine sehr hohe Luftverschmutzung, und es gibt kein Abwassersystem. Die dort lebenden Menschen haben meist keine finanziellen Mittel, um die eigene Wohnsituation zu verbessern. Deswegen wird geprüft, ob ein Bausparsystem eingeführt werden kann, um den Menschen den Erwerb von Wohneigentum zu ermöglichen.“
Die Folgen eines extremen Klimas und einer der weltweit höchsten Luftverschmutzungen sollen langfristig durch staatliche Wohnbauprogramme und entsprechende Finanzierungsmöglichkeiten insbesondere für die ärmere Bevölkerung gemildert werden. In diesem Zuge bringen die Mitarbeitenden des DSIK-Teams den ansässigen Banken und Akteuren der Politik das Bausparsystem näher, das den Menschen mit geringem Einkommen eine Perspektive bieten soll. „Zu meinen Aufgaben gehörte es, Präsentationen zu erstellen und zu übersetzen, eine Veranstaltung für Vertretende aus Banken und Politik mit zu organisieren sowie einen Workshop zum Thema Nachhaltigkeit vorzubereiten“, berichtet Lisa Halm.
Das Projekt in der Mongolei wird vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung finanziell gefördert. Die aktuelle Projektphase läuft planmäßig noch etwa ein Jahr. Bisher sind die Rückmeldungen von Bankenvertretenden und Politik positiv: Ende August wurde zwischen der DSIK und der Zentralbank der Mongolei eine Absichtserklärung unter anderem über die Etablierung eines Bausparkassenmodells unterschrieben.
Neben der Arbeit am Projekt blieb Lisa Halm an den Feierabenden und Wochenenden noch Zeit, die mongolische Kultur näher kennenzulernen. Nach ihrer Rückkehr ist ihr Fazit eindeutig: „Die Arbeit am Projekt, die Freundlichkeit der Menschen in der Mongolei, diese Weite in der Steppe und der Wüste – das sind alles Eindrücke, die ich nie vergessen werde. Ich weiß es sehr zu schätzen, dass die Deutsche Sparkassenstiftung, die Kreissparkasse Köln und mein Team mir diese Erfahrung ermöglicht haben.“