Ein Interview von Ines Langel, Orangerie Theater Köln
Mit FLUID präsentiert die Koproduktion von fast verwegen und der studiobühneköln ein experimentelles AUSWÄRTSSPIEL im Orangerie Theater – ein Abend, der Geschlechterrollen, Identität und gesellschaftliche Zuschreibungen radikal hinterfragt.Wir haben mit dem Team um Regisseurin Alexandra Hespe gesprochen.
Ihr macht ein Stück über Geschlechterrollen. Glaubt ihr, dass es mehr als zwei Geschlechter gibt?
Ja, auf jeden Fall. Die Wissenschaft zeigt längst, dass Geschlecht ein Spektrum ist. Vielleicht mit zwei Polen, aber definitiv mit vielen Zwischenräumen. Menschen lassen sich nicht in starre Kategorien pressen – biologisch, psychisch oder sozial.
Glaubt ihr, dass es überhaupt ein eindeutiges Geschlecht bei Menschen gibt?
Schwer zu sagen. Manche identifizieren sich klar mit einem Geschlecht, viele aber nicht. Und vielleicht wären es sogar noch mehr, wenn sie die echte Freiheit hätten – eine Wahl ohne Hürden. Wenn sich Persönlichkeiten ohne Geschlechternormen entfalten könnten, wäre für viele das „eindeutige Geschlecht“ nicht mehr so eindeutig.
Was ist für euch Geschlecht?
Etwas, das freier gedacht werden sollte – und gleichzeitig weniger Bedeutung haben müsste.Warum löst es bei manchen Menschen so viel aus, wenn jemand sich nicht dem zuordnet, was andere erwarten? Warum ist Geschlecht für unsere Identität so wichtig, obwohl es so viele Arten gibt, Mensch zu sein?
Springt ihr mit diesem Thema auf einen Trend auf? Oder ist Geschlechtervielfalt älter als Instagram?
Geschlechtervielfalt ist uralt.Vor der Kolonialisierung existierten weltweit zahlreiche Gesellschaften, in denen es drei, vier oder fünf anerkannte Geschlechter gab – und viele davon bestehen heute noch. Auch in der Frühsteinzeit spricht viel dafür, dass Gemeinschaften egalitärer organisiert waren. Die Vorstellung, Männer jagten und Frauen sammelten, gilt inzwischen als überholt. Arbeit wurde geteilt – je nachdem, wer was konnte. Geschlecht spielte eine geringere Rolle.
Wenn es also ein Modetrend ist, dann ist es eher das binäre Geschlechtersystem, das historisch betrachtet relativ jung ist.
Kann es eine Identität ohne Geschlecht geben?
In unserer heutigen Gesellschaft hat Geschlecht einen enormen Stellenwert – oft zu groß. Menschen, die sich ins binäre System gezwängt fühlen, erleben Belastungen, die aus dieser engen Norm entstehen.Würden wir jedoch in einer Welt leben, in der jede Person ihre Identität frei ausleben kann, wäre Geschlecht vielleicht gar nicht mehr so wichtig. Vielleicht würden ganz andere Aspekte – Interessen, Träume, Fähigkeiten – einen viel größeren Teil unserer Identität ausmachen.
Nächste Termine – FLUID im Orangerie Theater Köln:
18.12.2025 (Donnerstag) 20:00–21:30 · Saal · PREMIERE
19.12.2025 (Freitag) 20:00–21:30 · Saal
20.12.2025 (Samstag) 20:00–21:30 · Saal
21.12.2025 (Sonntag) 18:00–19:30 · Saal
Tickets & Infos: https://www.orangerie-theater.de/programm/fluid/