Unmittelbar begeistert war ich nicht, als vor gut vierzehn Jahren die Idee aufkam, einen süßen Vierbeiner ins Haus zu holen. Meine Frau musste mich zunächst überzeugen, da ich selbst aus einem Elternhaus komme, das in Sachen Haustier eine klare Meinung hatte: Tiere gehören auf den Teller.
Aber da ich ja grundsätzlich neuen Dingen eher offen gegenüber bin, habe ich mich breitschlagen lassen, einfach im Tierheim in Zollstock „nur mal gucken“ zu fahren. Für einen Hund war mein damaliges ausgiebiges Tourleben aus Zeitgründen nicht geeignet, also sollte es eine Katze werden.
Wir gingen also – meinerseits ohne jede Kaufabsicht – in den Katzenraum des Tierheims, und es dauerte keine zwei Minuten, bis so ein grau-weißes Fellknäuel mit großen Augen und langen Schnurrhaaren, um meine Knöchel schlenderte, sich an mich schmiegte, und mir eindeutig klarmachte: Ich will dich. Katzen haben vielleicht sieben Leben, aber für die Liebe brauchen sie wohl oft nur einen Blick.
Es kam, wie es kommen sollte, und zwei Wochen später hat mein allererstes Haustier – ich war dreißig Jahre alt – unser Zuhause geentert und klargestellt, wer nun der Boss im Haus war. Wir tauften sie liebevoll auf den kölschen Namen „Stina“. Wenn sie Lust hatte, hat sie sogar drauf gehört. War selten.
Als junges Tier hat sie hier so Einiges auf den Kopf gestellt, so richtig Mist gebaut hat sie allerdings nie. Gut, hier und da ein Kratzer – aber nie Ohne Grund, meistens habe ich es verdient. Der Garten, samt den beiden Nachbargärten, wurden bis aufs Blut verteidigt. Alle Kater drumherum hatten Angst vor Stina.
Am wunderbarsten war aber unser Ritual, dass ich mich jeden Abend – egal wie spät ich nach meinen Shows nach Hause gekommen bin – in meinen Sessel setzen, und sie mindestens zehn Minuten kraulen musste. Ohne Handy in der Hand, das hat sie gehasst, und es mir stets aus der Hand geköpft. Sie genoss es immer sehr, und ich gebe gerne zu, dass es bei mir nicht anders war. Runterkommen. Den Applaus noch im Ohr, der sich aber nach und nach zu einem zuckersüßen Schnurren entwickelte.
Das ist nicht das Einzige, was ich vermissen werde. Gerade komme ich vom Tierarzt, der sie von ihrem Leiden der letzten Wochen erlöst hat. Würdevoll. Ohne Schmerzen. Sie ist ganz sanft und ruhig eingeschlafen. Mit einem Lächeln. Bei ihren letzten Atemzügen lag meine Hand auf ihrem weichen Fellbauch.
Das waren sie wohl, die sieben Leben meiner Stina Heuser. Traurig. Aber auch schön zu wissen, dass sie sich bei uns wohlgefühlt und gerne bei uns gelebt hat. Im achten Leben geht’s jetzt hoffentlich noch entspannter und besser, vor allem schmerzfrei weiter für sie. Das wünsche ich ihr, und ich glaube dran. Vermutlich ist das achte Leben, das Beste.
Eine schöne Vorstellung, oder?
Ok, Menschen, die keine Affinität zu (Haus-)Tieren haben, können das vielleicht nicht unbedingt nachvollziehen, aber jeder, der schonmal einen kleinen Teil seines Herzens an einen Vierbeiner verloren hat, und sich verabschieden musste, kann bestimmt verstehen, dass ich heute Abend ein Gläschen auf meine „alte, graue“ trinken werden.
Stina, maach et joot – und genieße dein achtes Leben,
dein treuer Diener
Foto: Björn Heuser / KI