Foto: Marc Niemeyer / Kölle singt
Mit reichlich Muskelkater, kleinen Augen und warmem Herzen, sitze ich nun hier an meinem Schreibtisch unter’m Dach, sehe unzählige Bilder und Videos vom gestrigen Abend, höre entspannt die „Unplugged“ von Eric Claptopn, und versuche langsam aber sicher wieder runterzukommen. What a night.
Mein zehnjähriges „Kölle singt“-Jubiläum in der LanxessArena war ein fantastischer Abend. Wir haben wieder lange an der Show getüftelt, und knapp ein Jahr lang habe ich Songs ausgewählt, wieder verworfen, in andere Reihenfolgen gesetzt und mir besondere Specials überlegt. Auch wenn das Publikum es vielleicht gar nicht immer merkt, so steckt doch eine ganze Menge Liebe zum Detail in so einer Show.
Und ich glaube, meine rund 15.000 Partygäste hatten einen schönen Abend mit viel kölschem Jeföhl. Neben Songs, die einfach in diesem Format nicht fehlen dürfen, sind es für mich oft die eher selten gesungenen Songs, die das Tüpfelchen auf dem i sind. So hatten wir zum Beispiel erstmalig die „Kölsche Bröck“ der Bläck Fööss auf der Setlist. Den Song habe ich gewählt, weil ich damit damals in meinem ersten Jahr im Gaffel am Dom (2008!) die ersten knapp sechzig Mitsingkonzerte eröffnet habe. Oder „Ich han nen Deckel“, das ebenfalls zu einem meiner absoluten Lieblingslieder gehört.
Diesen Song haben wir übrigens an einem echten Lagerfeuer gespielt. Diese Idee wollte ich schon lange verwirklichen, und zum Jubiläum hat es endlich geklappt. Was war das heiß! Wahnsinn! Es war wirklich ein echtes Feuer, und nicht irgendwas Künstliches. Ich wusste gar nicht, dass man sowas überhaupt machen darf. Jedenfalls kamen wir da oben ziemlich ins Schwitzen, aber es hatte genau den Effekt, den ich erzielen wollte: Viele tausend Menschen und ne kleine Band rund ums Lagerfeuer, und alle singen friedlich und gemeinschaftlich zusammen. Gerade in diesen Zeiten ein seltenes, besonderes und – wie ich finde – wohltuendes Gefühl.
Neu war auch, dass ich beim Meiers Kättche erstmalig in der zehnjährigen Geschichte die Bühne verlassen habe, und einmal quer durch den Innenraum spaziert bin. Ich wollte einfach mal mittendrin sein, und so richtig fühlen, wie es ist, bei so einer großen Veranstaltung im Publikum zu sein. Dank meiner fantastischen Band, war das sehr gut möglich, und ich habe es genossen – auch wenn es nur vier Minuten waren. Ich glaub, das mache ich jetzt immer! Ich habe so viele Bekannte getroffen!
Die Gäste waren mal wieder herausragend. Michael Kuhl als einer der besten Musiker der Stadt, und wenn Henning Krautmacher „Viva Colonia“ singt, ist es einfach „anders“ im positivsten Sinne. Das war ein wahrlich magischer Moment. Auch der Besuch des Stadionsprechers des 1. FC Köln Michael Trippel und des Inklusions-Chores waren einmalige Momente, ebenso wie die „schönsten Köbesse“ der Stadt, die stellvertretend für alle Mitarbeitenden ihrer Art ausgezeichnet worden sind.
Ach, ich könnte noch so viel über gestern Abend erzählen. Vor genau vierundzwanzig Stunden habe ich mir meine Knöpfe ins Ohr gesteckt, meinen Hut aufgesetzt, und die Gitarre ein letztes Mal vor der Show gestimmt. Jetzt ist alles schon wieder Geschichte. Und zwar eine wunderschöne Geschichte!
Diese Geschichte schreiben wir natürlich nächstes Jahr weiter, wenn das „richtige kölsche“ Jubiläum ansteht: 11 Jahre „Kölle singt“ am 3. Oktober 2027. Und wer mich kennt, der weiß: Die ein oder andere besondere Idee habe ich schon im Kopf… Et jeiht immer wigger!
Danke, dass ich das alles so erleben darf!
Üre Björn