Die buntesten Tage, die meine schöne Heimatstadt Colonia zu bieten hat, stehen bevor. Und überall liegt so ein gewisses Kribbeln in der Luft. Eine elektrisierende Vorfreude, eine besondere Stimmung – quasi die Ruhe vor dem Konfettisturm!
Ich habe selten in so wenigen Tagen so oft auf der Bühne gestanden, wie in den letzten Wochen. Tourbus – Bühne – Saal – Tusch – Alaaf – und weiter! Und das bis zu sechs Mal am Tag. Manchmal wusste ich gar nicht, wo ich eigentlich bin. Und doch gab es auf jeder Veranstaltung diese besonderen Momente, die den Karneval so ausmachen. Die strahlenden Kinderaugen der stolzen Tanzmariechen. Die ältere Dame, die zwar kein Wort versteht, aber auf die „Stadt met K“ abrockt, als wäre es die neueste Single von Elvis Presley. Der mittelalte Clown, der sich nicht ganz so wohl in seinem Kostüm fühlt, aber am Ende doch glücklich schunkelnd mitten im „Jewöhl“ steht. Der 88jährige Opa, der vor Freude über einen frisch verliehenen Orden Tränen in den Augen hat.
Die Kunst ist vielleicht, diese Momente zu sehen in all dem Trubel drumherum. Das ist manchmal nicht einfach, aber wenn man es schafft, brennt es sich ins Herz und wird zu einer Erinnerung, die am Ende unter Umständen das ergibt, was „ne echte kölsche Jung“ als das „Karnevalsgefühl“ bezeichnet.
Was ich allein in den letzten Tagen alles erleben durfte, ist schon verrückt. Am Freitag wurde zur Primetime ein wunderbarer Dokumentarfilm im TV mit meiner Mitwirkung ausgestrahlt. Ich habe ihn mir gleich zweimal angeschaut – nicht, um mich selbst zu bestaunen und zu feiern, sondern weil es insgesamt so ein beeindruckender und gelungener Film über die kölsche Musikgeschichte geworden ist.
Dann durfte ich – neben vielen anderen Auftritten – am Samstagabend dem einhundertjährigen Ludwig Sebus mit einem fantastischen Orchester im rappelvollen Gürzenich das Lied uraufführen, welches ich im September zu seinem großen Tag schrieb. Damals lag er im Krankenhaus und war nicht fit genug, jetzt strahlte er übers ganze Gesicht. Für mich einer der intensivsten Momente meines bisherigen Bühnenlebens.
Foto: Iris Heuser
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Und so reihen sich besondere Momente aneinander, die unvergesslich sind. Heute Abend kommt schon der nächste: Mit einem über hundertköpfigen Orchester darf ich in der Kölner Philharmonie bei der „Singfonie“ drei Songs singen! Zwei davon stammen sogar aus meiner Feder!
Für mich geht damit (mal wieder!) ein Lebenstraum in Erfüllung. Meine Lieder mit einem Orchester darbieten, und dann auch noch in dieser edlen Location. Ich bin so, so, so dankbar, dass ich das erleben darf! Es passiert selten, aber bei den ersten Proben hatte ich schon eine gewaltige Gänsehaut.
Manches im Leben kann man nicht planen. Zum Glück trifft diese Tatsache nicht nur auf die negativen und unschönen Dinge zu, sondern auch auf die wunderbaren, verzaubernden und prägenden Momente.
Hin und wieder frage ich mich, wann ich die ganzen Eindrücke wirklich mal ganz in Ruhe verarbeiten und „nachgenießen“ kann. Und dann fällt mir ein: Nächste Woche ist ja leider schon wieder Aschermittwoch. Dann wird es erstmal etwas ruhiger.
Aber zum Glück nicht lange: Denn in 23 Tagen erscheint schon mein neues Album „Levve“, und damit geht’s fleißig auf Tour. Eins ist dabei sicher: Spätestens dann werden die nächsten Glücksmomente gesammelt! Danke, dass ich dieses Leben so führen darf!
Alaaf, ne schöne Fastelovend – und Aschermittwoch ist JAR NIX vörbei!
Wir lesen uns,
üre Björn