„Solange Männer die meisten Machtpositionen besetzen, entscheidet ihre Haltung darüber, wie schnell sich Strukturen verändern. Gleichstellung ist keine Frauenfrage. Sie ist eine Führungsfrage.“ Mit dieser klaren Position richtet sich Alexander Kronenberg, Geschäftsführer des Kölner Beratungsunternehmens FEMALE RESOURCES, zum Weltfrauentag bewusst nicht an Frauen – sondern an Männer in Führung. Während am 8. März Frauen vielerorts Sichtbarkeit erhalten, setzt FEMALE RESOURCES darüber hinaus einen weiteren Impuls: Nicht Spotlight verändert Organisationen, sondern Entscheidungen. Und die werden in vielen Unternehmen nach wie vor überwiegend von Männern getroffen.
Der Weltfrauentag als Realitätstest für Führung
Aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamts zeigen: Nur 29,1 Prozent der Führungskräfte in Deutschland sind weiblich. Mehr als zwei Drittel der Führungsrollen liegen damit weiterhin in männlicher Hand, in technischen Bereichen deutlich mehr. Gleichzeitig bleibt der Anteil von Frauen in Vorständen und auf oberster Managementebene niedrig. Für Alexander Kronenberg, ein Mann in einem Beratungsunternehmen, das sich auf echte Gleichstellung und für moderne Führungskultur etabliert hat, ist das kein Zufall, sondern eine strukturelle Frage: „Wenn wir über Gleichstellung sprechen, sprechen wir über Zugang zu Entscheidungen. Und dieser Zugang wird mehrheitlich von Männern gestaltet – bewusst oder unbewusst.“ Daher ist die Rolle der Männer gerade an einem solchen Tag entscheidend. Denn wer Entscheidungen trifft, prägt Kultur, Karrieren und Geschwindigkeit von Veränderung. Es reicht deshalb nicht, Gleichstellung zu begrüßen oder zu unterstützen. Es geht darum, den eigenen Einfluss aktiv zu nutzen.
Male Allyship – Warum Männer Teil der Lösung sind
Aus dieser Erkenntnis heraus hat sich international ein Führungsverständnis entwickelt, das inzwischen auch in Deutschland an Bedeutung gewinnt: Männer verstehen sich nicht mehr nur als Unterstützer von Gleichstellung, sondern als AKTIVE Mitverantwortliche für strukturelle Veränderung. Dieser Ansatz wird unter dem Begriff „Male Allyship“ diskutiert. Damit ist eine bewusste Führungsentscheidung gemeint, um den eigenen Einfluss einzusetzen, um Barrieren abzubauen und Entscheidungsräume zu öffnen. „Male Allyship heißt konkret: Verantwortung übernehmen, nicht wohlwollend nicken“, so Kronenberg. „In der Praxis sieht das so aus: zuhören, wenn strukturelle Hürden benannt werden. Platz machen in Entscheidungsrunden, Beförderungen transparent gestalten und unbewusste Vorurteile offen adressieren – auch dann, wenn es unbequem wird. Es geht nicht um symbolische Solidarität. Es geht um strukturelle Mitverantwortung.“ Gerade in einer Wirtschaftsregion wie Köln mit starken Konzernen, Mittelstand und öffentlicher Verwaltung kommt männlichen Führungskräften eine besondere Rolle zu: Sie sind nicht das Problem, sie sind der Hebel für die Entwicklung der Zukunft. Für Kronenberg ist dieser Schritt unumgänglich und kein bloßes Imageprojekt: „Es ist die bewusste Entscheidung, Macht nicht zu verteidigen, sondern fair zu verteilen – und sich als Führungskraft daran messen zu lassen.“
Die Kölner Gender-Strategieberatung, die Unternehmen und Organisationen mit Mentoring- und Leadership-Programmen hin zu moderner Führungskultur begleitet, arbeitet eng mit Führungskräften bundesweit und aus der Region zusammen. So setzt beispielsweise die Zurich Gruppe Deutschland die Programme seit Jahren erfolgreich um. Auch Uwe Schöpe, Personalvorstand der Zurich Gruppe Deutschland, sieht dabei die männlichen Führungskräfte klar in der Pflicht: „Gleichstellung entsteht nicht durch Aktionstage, sondern durch konsequente Entscheidungen im Alltag: Wen fördern wir? Wen lassen wir führen? Wen hören wir wirklich? Male Allyship heißt, als Führungskraft sichtbar Verantwortung zu übernehmen – auch dann, wenn es unbequem wird.“
Foto: Female Resources
Dr. Claus van der Velden, NetCologne und Alexander Kronenberg
Auch Claus van der Velden, CFO NetCologne Gesellschaft für Telekommunikation mbH, beschreibt Male Allyship als kontinuierliche Führungsarbeit: „Es geht darum, eigene Routinen zu hinterfragen, Privilegien zu reflektieren und strukturelle Barrieren aktiv abzubauen – nicht nur Zustimmung zu signalisieren. Wir Männer sind hier besonders gefragt, mit sichtbaren Schritten voranzugehen.“
Ein Appell zum Weltfrauentag
Alexander Kronenberg betont: „Der 8. März ist kein Anlass für Blumen, er ist ein Gradmesser für Verantwortung.“ FEMALE RESOURCES ruft Unternehmen dazu auf, den Weltfrauentag nicht als symbolischen Fixpunkt zu behandeln, sondern als strategischen Prüfstein:
- Wie entwickeln sich Beförderungsquoten und Verbleibsraten nach Geschlecht?
- Wo verlieren wir weibliche Talente – und warum?
- Welche Karrieren haben wir im letzten Jahr konkret ermöglicht – und welche nicht?
- Welche männlichen Führungskräfte übernehmen sichtbar Verantwortung für Veränderung?
- Was würde sich in unserer Organisation ändern, wenn wir Gleichstellung zur Chef:innensache machen – nicht zur Initiative?
Über FEMALE RESOURCES
FEMALE RESOURCES ist seit 2016 auf Mentoring- und Leadership-Programme für Frauen spezialisiert. Die Kölner Gender-Strategieberatung begleitet Unternehmen und Organisationen auf ihrem Weg zu echter Gleichstellung und moderner Führungskultur. Über 800 Führungskräfte haben bereits an den Cross-Mentoring-Programmen teilgenommen – mit einer Erfolgsquote, die zeigt: Gleichstellung ist kein Ideal, sondern eine Investition in die Zukunft.